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Gesundheit

Das Immunsystem: körpereigenes Abwehrsystem im Autopiloten

Unser Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk von Zellen, Geweben und Organen, das den Körper gegen schädliche Bakterien und Viren verteidigt. Das Zusammenspiel aus angeborener und adaptiver Immunantwort und einer Vielzahl an Abwehrmechanismen macht das Immunsystem reaktionsschnell, flexibel und lernfähig.

Autor: Rico Clemen

Lesezeit: 5 / veröffentlicht:

Das Immunsystem ist kein eigenes Organ, sondern im gesamten Körper vertreten, um schnell überall auf Infektionen reagieren zu können. Als körpereigenes Transportnetzwerk dient dem Immunsystem neben den Blutbahnen das lymphatische System. Es besteht aus Lymphknoten und -gefäßen und der Lymphflüssigkeit, die Nähr- und Abfallstoffe zwischen den Geweben des Körpers und dem Blutkreislauf transportiert. Die Lymphknoten filtern die Lymphflüssigkeit und fangen dabei Bakterien, Viren und andere Eindringlinge ab. Die Erreger werden dann von bestimmten weißen Blutkörperchen, bspw. den Granulozyten und anderen Fresszellen, vernichtet.

Die Entwicklung aller Zellen des Immunsystems beginnt im Knochenmark und den dort heranreifenden Stammzellen. Aus ihnen gehen alle anderen spezialisierten Zellen hervor. Gemeinsam mit dem Thymus bildet das Knochenmark die primären lymphatischen Organe. Sie sind die Ausbildungsstätten der Lymphozyten (B-, T-, NK-Zellen). Diese Untergruppe der weißen Blutkörperchen sind unerlässliche für die Immunabwehr.

Die sekundären lymphatischen Organe übernehmen weitere wichtige Aufgaben der Immunabwehr. Dazu gehören Ansammlungen von Lymphknötchen und lymphatischem Gewebe (MALT), die Milz und die Mandeln. Im Fall einer nötigen Abwehrreaktion werden hier u. a. die Lymphozyten aktiviert und spezialisiert, also in Effektorzellen ausdifferenziert, um spezifische Antigene effektiv zu bekämpfen.

Die erste Verteidigungslinie

Die Reaktion auf Krankheitserreger wird durch eine komplexe Interaktion einer großen Anzahl verschiedener Zelltypen gesteuert, die an der Immunantwort beteiligt sind. Die angeborene oder unspezifische Immunität ist die erste Verteidigungslinie und kann bereits innerhalb von Minuten nach dem Kontakt mit einem Krankheitserreger aktiv werden. Selbst Säuglinge verfügen über ausgezeichnete angeborene Immunreaktionen. Der immunologische Mechanismus wird von einer Untergruppe der weißen Blutzellen gesteuert. Dazu zählen Phagozyten (z. B. Makrophagen), auch Fresszellen genannt, die Fremdkörper aufnehmen und verdauen können. Genauso wichtig für die unspezifische Immunreaktion sind die natürlichen Killerzellen. Sie kommen ohne eine Konditionierung auf ein bestimmtes Antigen aus, sind also sofort einsatzbereit, um Viren oder Tumorzellen zu zerstören. Auch die größte Gruppe der weißen Blutkörperchen (rund 45 % - 75 %), die Granulozyten, zählen zum angeborenen Immunsystem. Ein erhöhter Granulozyten-Wert im Blutbild ist ein wichtiger Indikator, um Infektionen erkennen zu können.

Lernfähige Immunabwehr

Das adaptive oder auch erworbene Immunsystem ist der antigenspezifische Abwehrmechanismus des Körpers. Es ist bereits kurz nach der Geburt funktionsfähig; es fehlt ihm aber noch an erforderlicher Erfahrung. Die Gedächtnisbildung findet während des gesamten Lebens statt. Die meiste immunologische Erfahrung sammelt der Mensch aber bereits zwischen der Geburt und dem dritten Lebensjahr. Die Immunreaktion des adaptiven Immunsystems wird hauptsächlich von Lymphozyten gesteuert. B-Zellen aus dem Knochenmark produzieren erreger-spezifische Antikörper, die sich an die Oberfläche fremder Zellen heften, um sie für die Zerstörung durch andere Immunzellen zu markieren. T-Zellen besitzen die Fähigkeit, Antigene von Krankheitserregern zu erkennen. Sie koordinieren die Immunabwehr und gehen in Untergruppierungen als T-Helfer-, T-Killer- und T-Suppressor-Zellen verschiedenen Aufgaben nach. Sie reifen im Thymus heran. Für eine gezielte Abwehrreaktion müssen zuerst sogenannte Gedächtniszellen ausgebildet werden. Das geschieht nach einem Erstkontakt mit einem Erreger, was zu einem Training der Zellen führt. Eine erneute Exposition mit dem gleichen Antigen erzeugt dann eine schnelle und zuverlässige zelluläre Immunantwort. Gedächtniszellen können über Jahre im Körper schlummern und jederzeit geweckt werden.

Autoimmunerkrankung

Normalerweise schützt uns unser Immunsystem vor Angreifern von außen. Eine Autoimmunerkrankung kann jedoch dazu führen, dass sogenannte Autoantikörper fälschlicherweise gesunde, körpereigene Zellen, Gewebe und Organe angreifen. Die Gründe für den Ausbruch einer Autoimmunkrankheit können selten genau bestimmt werden. Viele Menschen, die darunter leider, haben jedoch eine genetische Veranlagung. Zudem stehen einige Faktoren wie Infektionen, Stress, Medikamente oder eine ungünstige Ernährung unter Verdacht, sie zu begünstigen. Manche Autoimmunkrankheiten werden durch eine Kreuzreaktion bei der Bekämpfung eines Antigens ausgelöst. Beim Rheumatischen Fieber beispielsweise produziert das Immunsystem nach einer Infektion mit A-Streptokokken auch Antikörper gegen körpereigenes Gewebe.

Zu den Autoimmunkrankheiten gehören:

  • Multiple Sklerose
    eine Entzündung des Nervensystems, was zu Muskelschwäche und Koordinations-, Sehstörungen und kognitiven Problemen führen kann
  • Rheumatoide Arthritis
    schädigt Knochen und Knorpel, was zu geschwollenen und steifen Gelenken führt
  • Lupus
    Eine rheumatische Erkrankung mit Entzündungsschüben, die unterschiedliche Organe des Körpers befallen kann
  • Schuppenflechte
    eine chronische Hauterkrankung, bei der sich oft entzündete Bereiche mit silbrigen Schuppen auf Kopfhaut, Ellenbogen, Knien und dem Rücken entwickeln
  • Typ-1-Diabetes
    führt zu einer Unterproduktion von Insulin in der Bauchspeicheldrüse, was schwerwiegenden Einfluss auf den Stoffwechsel hat
  • Zöliakie
    die Aufnahme von Gluten verursacht eine Reihe von Magen-Darm-Beschwerden
  • Basedow-Krankheit
    löst eine Überfunktion der Schilddrüse aus, was zu Angstzuständen, Herzklopfen, Gewichtsverlust und gereizten oder hervorquellenden Augen führt

Wichtige Bestandteile des Immunsystems

Haut und Schleimhäute
Als erste Barriere ist es die Haut, die Fremdstoffe überwinden müssen, um überhaupt in den Körper zu gelangen. Im Inneren übernehmen Schleimhäute die Barrierefunktion. Sie beherbergen zudem wichtige Antikörper, die Immunglobuline, zur Erregerabwehr.

Knochenmark
Das weiche Gewebe, das sich hauptsächlich in den Knochen der Arme, Beine, Wirbel und Beckenknochen befindet, bildet täglich Milliarden neuer Blutzellen und gibt sie in den Blutkreislauf ab. Das Knochenmark ist für das Immunsystem äußerst wichtig, da sich alle weißen Blutkörperchen aus Stammzellen entwickeln, die hier ihren Ursprung haben.

Thymus
Das Organ in der oberen Brust unterhalb des Brustbeins trägt zur Reifung und Spezifizierung der T-Zellen bei. So sind diese Zellen in der Lage, Eindringlinge zu erkennen und zu bekämpfen. Mit dem Älterwerden schrumpft die Thymusdrüse und verliert nach und nach ihre Funktion.

Milz
Die Milz filtert das Blut, indem sie alte oder beschädigte Zellen oder Blutplättchen entfernt und unterstützt das Immunsystem, indem sie Bakterien und andere Eindringlinge vernichtet. Sie speichert zudem weiße Blutkörperchen.

Mandeln
Im Rachen und in der Nase befindlich, können Mandeln und Polypen Eindringlinge abfangen, sobald sie in den Körper gelangen. Sie verfügen über Immunzellen, die Antikörper produzieren.

Abwehrzellen
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) erkennen körperfremde Erreger und bilden Antikörper zur Bekämpfung der Antigene aus. Sie können sich unabhängig von anderen Zellen und gegen den Blut- und Lymphfluss bewegen sowie durch Öffnungen der Kapillarwände in Gewebe dringen (Diapedese).

Lymphgefäßsystem
Als körpereigene „Müllabfuhr“ nutzt das Immunsystem das Lymphgefäßsystem, um sich von Bakterien und Viren zu befreien. Die Lymphknoten filtern und zerstören Keime im Gewebewasser, damit sie sich nicht auf andere Teile des Körpers ausbreiten.