Teenager überprüft ihren Blutzucker
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Diabetes Typ 1: Was Betroffene wissen sollten

Typ-1-Diabetes beginnt oft schon im Kindesalter und ist bislang nicht heilbar. Doch moderne Therapien erleichtern den Alltag. Erfahren Sie hier mehr über Symptome, Ursachen, Behandlung – und den Unterschied zu Typ-2-Diabetes.

Qualitätssicherung: Philipp Grätzel von Grätz, Arzt und Medizinjournalist

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Das Wichtigste in Kürze

  • Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse kaum oder kein Insulin mehr produziert; Betroffene müssen lebenslang Insulin zuführen.  
  • Im Unterschied zu Typ-2-Diabetes beginnt Typ 1 häufig im Kindes- oder Jugendalter und ist nicht durch zu viel Zucker oder Bewegungsmangel verursacht.  
  • Typische Warnzeichen/Symptome sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und unerklärlicher Gewichtsverlust.  
  • Die Behandlung erfolgt mit Insulin per Pen, Spritze oder Pumpe. Sensoren zur kontinuierlichen Glukosemessung erleichtern heute vielen Betroffenen den Alltag.  
  • Diabetes Typ 1 ist bislang nicht heilbar, lässt sich mit moderner Therapie aber gut kontrollieren.  

Was ist Diabetes Typ 1?

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung und tritt meist schon in der Kindheit auf. Der Körper greift die Zellen der Bauchspeicheldrüse an, bis diese irreparabel geschädigt sind. Da die Bauchspeicheldrüse kaum Insulin mehr produziert, müssen Patientinnen und Patienten das Hormon lebenslang zuführen.  

Insulin sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt und dort als Energie genutzt werden kann. Ohne ausreichend Insulin steigt der Blutzuckerspiegel an und es kommt zu einer Überzuckerung. Ist im Verhältnis zum Bedarf zu viel Insulin vorhanden, kann der Blutzuckerspiegel dagegen zu stark sinken und eine Unterzuckerung entstehen. 

Medizinisch wird der Diabetes mellitus Typ 1 im ICD-10-GM unter dem Code E10.- klassifiziert. 

Diabetes Typ 1 und Typ 2: Was ist der Unterschied?

Diabetes ist nicht gleich Diabetes. Bei Typ-1-Diabetes greift das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen an. Die Erkrankung beginnt häufig schon im Kindes- oder Jugendalter.  
 
Typ-2-Diabetes entwickelt sich hingegen meist langsamer. Dabei reagieren die Körperzellen mit der Zeit schlechter auf Insulin – der Blutzucker steigt. Sie tritt eher erst im mittleren oder höheren Erwachsenenalter auf, kommt aber zunehmend auch bei jüngeren Menschen vor.  

Der Unterschied zeigt sich auch in den Zahlen: Rund 95 Prozent der Menschen mit Diabetes haben Typ 2. In Deutschland sind das etwa 9,1 Millionen Menschen. Typ-1-Diabetes betrifft rund 5 Prozent, also etwa 377.000 Menschen. Insgesamt leben hier rund 11 Millionen Menschen mit Diabetes. Die Zahl der Betroffenen steigt weiter: Bis 2040 könnten es rund 12,3 Millionen sein. 
 

Ursachen von Typ-1-Diabetes

„Typ-1-Diabetes ist keine Folge von zu viel Zucker oder zu wenig Bewegung. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung“, sagt Prof. Christian Denzer, Kinderdiabetologe und Oberarzt an der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie der Uniklinik Ulm. „Das ist für Betroffene und Familien wichtig zu wissen – denn mit Schuld oder falschem Verhalten hat diese Erkrankung nichts zu tun.“ 

Die genauen Ursachen von Diabetes Typ 1 sind noch nicht vollständig geklärt. Bekannt ist: Eine genetische Veranlagung kann das Risiko deutlich erhöhen. Zusätzlich vermuten Forschende, dass Umweltfaktoren eine Rolle spielen – etwa bestimmte Virusinfektionen oder andere Einflüsse auf die Entwicklung des Immunsystems.

Diabetes Typ 1: Symptome und frühe Warnzeichen

Typ-1-Diabetes macht sich oft durch sehr deutliche Warnzeichen bemerkbar:  

  • starker Durst 
  • häufiges Wasserlassen 
  • Müdigkeit 
  • unerklärliche Gewichtsabnahme 

Gerade bei Kindern kann auffallen, dass sie plötzlich wieder nachts einnässen, sehr viel trinken oder ungewöhnlich schlapp wirken. Solche Anzeichen sollte man ernst nehmen. Dann ist es wichtig, den Blutzucker zeitnah ärztlich zu kontrollieren.  

Denn bleibt Typ-1-Diabetes unerkannt, kann der Stoffwechsel lebensgefährlich entgleisen. Fachleute sprechen dann von einer diabetischen Ketoazidose. Warnzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe oder schnelle Atmung, Benommenheit oder ein säuerlich-fruchtiger Atemgeruch. Dann ist sofort medizinische Hilfe nötig.

Für die Diagnose und Therapie von Diabetes ist eine Teilnahme am hkk-Behandlungsprogramm möglich – mehr Informationen gibt es hier.  

  • Es unterstützt unter anderem Familien mit zuckerkranken Kindern durch altersgerechte Schulungen und erfahrene Fachleute. 
     
  • Es sorgt für den Aufbau des medizinischen Netzwerkes, in dem das hkk-Behandlungsprogramm erfolgreich ablaufen kann. 
     
  • Es bringt alle für die Gesundheit wichtigen Ärzte und Therapeuten zusammen und hält sie durch aktuelle Informationen ständig auf dem neuesten Wissensstand. 
     
  • In bestimmten Fällen steht hkk-Versicherten auch ein persönlicher Berater der hkk zur Verfügung, der Fragen zum Behandlungsablauf beantwortet, besondere Hilfen organisiert oder Tipps für den Alltag gibt. 

Wie wird Diabetes Typ 1 behandelt?

Bei Typ-1-Diabetes braucht der Körper Insulin von außen. Denn die Bauchspeicheldrüse bildet selbst kaum oder gar kein Insulin mehr. Das Hormon wird deshalb regelmäßig zugeführt – zum Beispiel mit einem Pen, einer Spritze oder über eine Insulinpumpe.  

Die Behandlung ist heute oft deutlich einfacher in den Alltag zu integrieren als früher. Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes nutzen inzwischen Sensoren, die den Glukosewert laufend messen. In Kombination mit einer Insulinpumpe können moderne Systeme die Insulinabgabe teilweise automatisch anpassen. Sie ahmen damit die Arbeit der Bauchspeicheldrüse ein Stück weit nach – auch wenn sie sie nicht vollständig ersetzen. 

Mehr zu den Leistungen der hkk bei der Behandlung von Typ-1-Diabetes finden Sie hier.  

Beeinflusst Diabetes Typ 1 die Lebenserwartung?

Typ-1-Diabetes kann sich auf die Lebenserwartung auswirken – vor allem dann, wenn die Blutzuckerwerte über längere Zeit schlecht eingestellt sind oder Folgeerkrankungen entstehen.  

„Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können Folgeerkrankungen begünstigen, etwa an Augen, Nieren oder Blutgefäßen“, sagt Kinderdiabetologe Christian Denzer. „Gleichzeitig hat sich die Behandlung des Typ-1-Diabetes in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt.“ Moderne Insulinpumpen, kontinuierliche Glukosemessung, Schulungen und eine gute ärztliche Begleitung helfen heute dabei, Typ-1-Diabetes deutlich besser zu kontrollieren als früher. „Viele Betroffene können deshalb ein langes und weitgehend normales Leben führen“, so Denzer. 

Diabetes Typ 1: Ist eine Heilung möglich?

Typ-1-Diabetes ist bislang nicht heilbar. Dank moderner Therapien lässt sich die Erkrankung heute jedoch deutlich besser behandeln als früher. Dazu gehören neben der seit Jahrzehnten eingesetzten Insulintherapie auch kontinuierliche Glukosemessung, moderne Insulinpumpen und eine gute ärztliche Begleitung. 

In der Forschung geht es inzwischen um weit mehr: Lässt sich Typ-1-Diabetes vielleicht sogar verhindern – oder zumindest deutlich hinauszögern? Am Institut für Diabetesforschung des Helmholtz Zentrums München wird zum Beispiel derzeit untersucht, wie Kinder mit erhöhtem genetischen Risiko früh erkannt werden. Außerdem geht es darum, ob vorbeugende Behandlungen den Ausbruch der Erkrankung verhindern können oder ihn zumindest aufschieben können.  

Prof. Christian Denzer, Kinderdiabetologe und Oberarzt an der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie der Uniklinik Ulm. 
 

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