Ein älterer Mann hält sich mit einer Hand die Stirn, drückt mit der anderen auf die Brust, sieht verzweifelt aus und zeigt Anzeichen von Schmerzen und Erschöpfung. Schwindel, gesundheitliche Probleme. Psychische Störung, Herzerkrankung
Ein älterer Mann hält sich mit einer Hand die Stirn, drückt mit der anderen auf die Brust, sieht verzweifelt aus und zeigt Anzeichen von Schmerzen und Erschöpfung. Schwindel, gesundheitliche Probleme. Psychische Störung, Herzerkrankung

Schlaganfall: Notfall im Gehirn

Weltweit sind Schlaganfälle die zweithäufigste Todesursache. Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall – und oft zählt jede Minute. Erfahren Sie hier, woran man ihn erkennt, was dabei im Gehirn passiert und wie man das eigene Schlaganfallrisiko senken kann.

Qualitätssicherung: Philipp Grätzel von Grätz, Arzt und Medizinjournalist

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Das wichtigste in Kürze

  • Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall. Es zählt jede Minute, weil im Gehirn Nervenzellen durch eine gestörte Blutversorgung innerhalb kurzer Zeit dauerhaft geschädigt werden können.  
  • Typische Warnzeichen: plötzlich auftretende Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Schwindel oder ein hängender Mundwinkel; mit dem FAST-Test lässt sich ein Verdacht schnell überprüfen.  
  • Ursachen: meist kein spontanes Einzelereignis, sondern eine jahrelange Vorschädigung der Blutgefäße, etwa durch Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, erhöhte Blutfette oder Vorhofflimmern.  
  • Im Gehirn liegt entweder ein Gefäßverschluss oder seltener eine Hirnblutung vor; auch eine sogenannte TIA (Transitorische Ischämische Attacke) kann ein ernstes Warnsignal/Vorbote sein.  
  • Vorbeugen lässt sich vor allem durch die konsequente Behandlung von Risikofaktoren, einen gesunden Lebensstil und schnelles Handeln im Ernstfall, indem sofort der Notruf 112 gewählt wird. 

Schlaganfall-Symptome: Was gibt es für Anzeichen?

Ein Schlaganfall beginnt plötzlich und meist nicht mit „ein bisschen Unwohlsein“, sondern mit auffälligen Ausfällen. Laut dem Neurologen Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, sind die folgenden Symptome typisch:  

  • hängender Mundwinkel 
  • Schwäche oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite 
  • Probleme beim Sprechen oder Verstehen 
  • plötzliche Sehstörungen 
  • Schwindel mit Gangunsicherheit 
  • manchmal ein sehr starker, abrupt einsetzender Kopfschmerz 

Wichtig: Nicht alle Beschwerden oder Missempfindungen stehen im Zusammenhang mit einem Schlaganfall: Beispielsweise Flecken vor dem Auge, oder ein diffuses Kribbeln am Kopf und anderen Körperteilen sind nicht typisch für eine Apoplexie (Hirninfarkt). 

Unterscheidet sich die Symptomatik bei Frauen und Männern? „Die klassischen Warnzeichen sind bei beiden Geschlechtern im Grunde gleich, bei Frauen können aber manchmal auch Verwirrtheit, Kopfschmerzen und Übelkeit im Vordergrund stehen“, sagt Neurologe Berlit.

Der FAST-Test hat sich bewährt, um festzustellen, ob es ein Schlaganfall sein könnte – und dann schnell zu handeln:  
 
  F – Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln: Hängt ein Mundwinkel herunter oder wirkt das Gesicht einseitig verändert? 

  A – Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme nach vorn zu strecken: Sinkt ein Arm ab oder lässt er sich gar nicht richtig anheben? 

  S – Speech (Sprache): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen: Klingt die Sprache verwaschen, abgehackt oder passen die Worte nicht? 

  T – Time (Zeit): Bei solchen Anzeichen sofort die 112 rufen – denn bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. 

Ein Schlaganfall hat oft eine lange Vorgeschichte: Die Ursachen

Ein Schlaganfall kommt zwar aus heiterem Himmel, aber er entsteht in der Regel mit recht langem Vorlauf. Dahinter stecken, ähnlich wie beim Herzinfarkt, oft Risikofaktoren, welche die Blutgefäße über Jahre belasten: Bluthochdruck (dieser gilt als der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor), Rauchen, Diabetes, erhöhte Blutfette und Vorhofflimmern. Starkes Übergewicht, Bewegungsmangel und viel Alkohol gelten auch als Risikofaktoren, sind aber nicht ganz so bedeutend. Auch das Alter spielt eine Rolle. Die gute Nachricht: „Auf viele dieser Risikofaktoren kann man selbst oder mit ärztlicher Hilfe Einfluss nehmen“, sagt Berlit.

Blutung oder Blockade: Was bei einem Schlaganfall im Gehirn passiert

Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr richtig mit Blut versorgt. In den meisten Fällen ist ein Blutgefäß verstopft. Dann spricht man von einem ischämischen Schlaganfall oder Hirninfarkt. Seltener platzt ein Gefäß und es kommt zu einer Hirnblutung. In beiden Fällen werden Hirnzellen geschädigt und können innerhalb kurzer Zeit absterben.

TIA: Der „Warnschuss“ vor dem Schlaganfall

Eine TIA (Transitorische Ischämische Attacke) fühlt sich an wie ein Schlaganfall, doch die Symptome bilden sich meist nach wenigen Minuten vollständig zurück. Dennoch ist sie ein gefährliches Warnsignal: Sie tritt oft als Vorbote eines schweren Schlaganfalls auf. 

„Time is Brain“ – so wird ein Schlaganfall behandelt

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute: „Time is Brain“. Denn je länger ein Teil des Gehirns nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, desto mehr Nervenzellen gehen unwiederbringlich verloren. Deshalb ist es so wichtig, bei Verdacht sofort den Notruf 112 zu wählen. 

In der Klinik versuchen Ärztinnen und Ärzte dann, den Gefäßverschluss so schnell wie möglich zu beseitigen, etwa mit Medikamenten oder mechanisch mit einer sogenannten Thrombektomie. Vorher wird immer eine CT- oder Kernspin-Untersuchung gemacht, um keine Hirnblutung zu übersehen. In manchen Städten wird das sogar schon im Rettungswagen gemacht. 

Wie kann ich einem Schlaganfall vorbeugen?

Jährlich ereignen sich in Deutschland rund 200.000 erstmalige Schlaganfälle sowie etwa 70.000 erneute Fälle (Rezidive). Insgesamt haben rund 2,5 Prozent der Erwachsenen bereits einen Schlaganfall erlitten – das entspricht etwa jeder 40. Person. Zwar gehen Erkrankungs- und Sterberaten dank verbesserter Vorsorge und moderner Behandlung zurück. Gleichzeitig steigt die absolute Zahl der Fälle weiter an. Hauptgründe dafür sind die alternde Bevölkerung sowie die zunehmende Verbreitung zentraler Risikofaktoren. Die gute Nachricht: Viele dieser Risiken lassen sich gezielt beeinflussen. Wer sie kennt und konsequent gegensteuert, kann einem Schlaganfall wirksam vorbeugen. 

Besonders wichtig sind: 

  • ein gut eingestellter Blutdruck 
  • nicht rauchen 
  • regelmäßige Bewegung 
  • gesunde Ernährung 
  • Alkohol nur in Maßen trinken 
  • Cholesterinwerte senken 
  • Erkrankungen wie Diabetes oder Vorhofflimmern konsequent behandeln lassen. 
Prof. Dr. Peter Berlit

Der Neurologe Prof. Dr. Peter Berlit ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Er war von 1992 bis 2017 Chefarzt der Neurologischen Klinik mit Klinischer Neurophysiologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen.

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