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Gehirn trainieren: Übungen für mehr Leistung im Job

Mehr Leistungskraft und mentale Fitness im Job: Mit welchen Übungen Sie Ihr Gedächtnis trainieren, welche Hobbys die Kognition fördern und welchen Einfluss KI auf Ihre Denkleistung hat.

Qualitätssicherung: Philipp Grätzel von Grätz, Arzt und Medizinjournalist

Lesezeit: / aktualisiert:

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Gehirn profitiert von neuen Reizen und Herausforderungen – ein Prinzip namens Neuroplastizität. Routinen fordern das Gehirn kaum, Abwechslung und Koordinationsaufgaben dagegen umso stärker. 

  • Gezielte Bewegungsübungen wie Finger-Tapping aktivieren beide Gehirnhälften gleichzeitig und steigern Konzentration sowie kognitive Leistungsfähigkeit. Ideal auch am Schreibtisch in kurzen Pausen. 

  • Hobbys wie Tanzen, Musikspielen, Schach und Ballsport trainieren Gedächtnis, strategisches Denken und Koordination. Besonders wirkungsvoll sind Aktivitäten, die sozialen Austausch mit kognitivem Anspruch verbinden. 

  • Schlaf ist ein unterschätzter Hebel: Im Tiefschlaf verarbeitet das Gehirn Erlebtes und regeneriert sich. Sieben Stunden pro Nacht gelten als optimal für die kognitive Leistungsfähigkeit. 

  • KI übernimmt immer mehr Denkarbeit. Wer das unreflektiert zulässt, riskiert kognitive Passivität. KI als Sparringspartner statt Denkersatz einzusetzen hält den Geistesmuskel aktiv. 

Wie funktioniert Gehirntraining wirklich?

Das Gehirn funktioniert ähnlich wie ein Muskel: Wird es beansprucht, wächst die mentale Fitness. Neue Nervenverbindungen entstehen, die Leistungskraft nimmt zu. „Diese Fähigkeit des Gehirns wird als Neuroplastizität bezeichnet“, erklärt Neurowissenschaftlerin Friederike Fabritius. „Die Neuroplastizität kann Führungskräften und Beschäftigten helfen, Informationen schneller zu verarbeiten und eingefahrene Gewohnheiten zu verändern.“ 

Ideal für das Gehirntraining: Bewegungsübungen

Die Kombination aus Bewegung und Konzentration steigert Hirnfitness besonders effektiv.  

1. Cross-Crawl-Übungen zur Stärkung der Konzentration

Bei Cross-Crawl-Übungen werden Bewegungen über die Körpermitte hinweg ausgeführt. Das fordert die Koordination und verbindet Bewegung mit Aufmerksamkeit. 

So geht’s: 

  • Stellen Sie sich aufrecht hin. 
  • Heben Sie das rechte Knie und berühren Sie es mit der linken Hand. 
  • Heben Sie anschließend das linke Knie und berühren Sie es mit der rechten Hand. 
  • Wiederholen Sie die Bewegung abwechselnd und steigern Sie langsam das Tempo. 

Dauer: zwei bis drei Minuten. 

2. Finger-Tapping für mehr Konzentration

Auch diese Übung stärkt die Interaktion zwischen beiden Gehirnhälften. Dazu trainiert man Fokus und Koordination.  

So geht’s:  

  • Legen Sie Ihre beiden Hände locker vor sich auf den Bürotisch. Kippen Sie Ihre Hände leicht auf die Handkante 
  • Nun tippen Sie mit dem Daumen der rechten Hand nacheinander jeden Finger Ihrer rechten Hand leicht an (Zeigefinger – Mittelfinger – Ringfinger – kleiner Finger – zurück). 
  • Gleichzeitig tippen Sie mit dem Daumen der linken Hand die Finger der linken Hand in umgekehrter Reihenfolge an (kleiner Finger – Ringfinger – Mittelfinger – Zeigefinger – zurück).  
  • Tempo steigern nach 30 Sekunden. 

Dauer: Zwei bis drei Minuten 

3. Rückwärts zählen für Logisches Denken

Diese Übung aktiviert den präfrontalen Cortex, die Hirnregion, die für logisches Denken und Planung zuständig ist. Dazu trainiert sie Fokus und Konzentration. 

So geht’s:  

  • Nehmen Sie ein Blatt Papier oder ein Whiteboard.  
  • Schreiben eine 5- bis 7-stellige Zahl auf (z. B. 1234567). 
  • Drehen Sie die Zahl rückwärts um (z. B. 7654321) und schreiben Sie diese auf. 
  • Steigern Sie die Länge der Zahl schrittweise. 
  • Variante für Fortgeschrittene: Rechne die umgedrehte Zahl minus 7 (z. B. 7654321 – 7 = 7654314). 

Dauer: zwei bis drei Minuten 

Schlaf: der unterschätzte Hebel für die geistige Fitness

Im Schlaf verarbeitet das Gehirn Erlebtes und regeneriert. Wer gut schläft, lernt leichter und erinnert sich besser an komplexe Ereignisse. Die meisten Menschen benötigen um die sieben Stunden Schlaf pro Nacht. Förderlich für guten Schlaf ist Sport und ein klarer Tag-Nacht-Rhythmus: 

  • Morgens viel Sonnenlicht tanken. 
  • Bewegung und Aktivität am Tag.  
  • Abends langsam runterfahren – auch Computer und Aufregung. 

Hobbys und Sportarten, die das Gehirn fit halten

  • Tanzen: schult Motorik, Gedächtnis, Emotionen – Neue Tanzschritte schulen kognitive Flexibilität. 
  • Musik: schult das Arbeitsgedächtnis des Gehirns sowie Kreativität, emotionale Kontrolle, Spracherkennung und Langzeitgedächtnis (Hippocampus).  
  • Schach: schult Fokus halten, strategisches Denken, Arbeitsgedächtnis und Mustererkennung.  
  • Ballsport: schult die Koordination, kognitive Flexibilität und Entscheidungsgeschwindigkeit.  
  • In sozialer Interaktion kommt das Gehirn richtig in Fahrt. Hobbys, die andere Menschen einschließen, sind besonders gut für die mentale Fitness. 

KI übernimmt das Denken: Was heißt das für unser Gehirn?

KI kann uns Arbeit abnehmen und sie entlastet das Gehirn – doch leider dankt es uns dies nicht. „Unser Gehirn fragt sich dann, warum es sich noch anstrengen sollte“, erklärt Neurowissenschaftlerin Fabritius. Was tun? Die KI nicht als Ersatz fürs Denken nutzen. Sondern öfter als Sparrings-Partner befragen. Man kann den Chatbot bitten, eine Idee mal so richtig schön in der Manier eines kritischen Experten auseinanderzunehmen. So bringt die KI den Hirnmuskel ins Schwitzen.

Friederike Fabritius

Friederike Fabritius ist Neurowissenschaftlerin, Keynote-Speakerin und Autorin. Sie berät Führungskräfte weltweit zu gehirnfreundlichen Ansätzen für Lernen, Arbeiten und den Umgang mit Veränderung. Vor ihrer Tätigkeit in der freien Wirtschaft arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Max-Planck-Institut für Hirnforschung. In ihrem Buch „Neurohacks“ erklärt Fabritius, was das Gehirn benötigt, um im Beruf Bestleistung zu bringen.
 

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