Portrait eines älteren, sich um armenden Päärchens
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Alzheimer: Anzeichen erkennen, Verlauf verstehen, Angehörige unterstützen

Wenn ein vertrauter Mensch immer mehr vergisst, verändert das auch den Alltag der Angehörigen. Alzheimer ist eine fortschreitende Hirnerkrankung und die häufigste Ursache einer Demenz. In Deutschland sind mehr als eine Million Menschen betroffen.

Qualitätssicherung: Philipp Grätzel von Grätz, Arzt und Medizinjournalist

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Das Wichtigste in Kürze

  • Alzheimer ist die häufigste Demenzform. Ablagerungen von Beta-Amyloid und Tau-Protein schädigen Nervenzellen und schränken die Gehirnleistung zunehmend ein.
  • Erste Anzeichen sind Vergesslichkeit, die den Alltag beeinträchtigt: verlegte Gegenstände, vertraute Aufgaben gelingen nicht mehr, Orientierung und Stimmung können sich verändern.
  • Eine Alzheimer-Erkrankung verläuft in drei Stadien von leichten Gedächtnisproblemen bis zur umfassenden Pflegebedürftigkeit, mit individuell sehr unterschiedlichem Tempo.
  • Die Diagnose erfolgt stufenweise: Hausarzt, neurologische Fachpraxis, MRT und Biomarker. Online-Selbsttests können allenfalls einen ersten Hinweis geben, keine Diagnose ersetzen.
  • Mit der Zeit benötigen Betroffene mehr Unterstützung. Angehörige sollten frühzeitig Hilfe annehmen: Pflegeleistungen, Entlastungsangebote und Pflegeberatung stehen zur Verfügung.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Ursache für Demenz und macht etwa 70 Prozent aller Demenzerkrankungen aus. Demenz ist dabei der Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen Gedächtnis, Denken und andere geistige Fähigkeiten zunehmend nachlassen. Alzheimer ist eine konkrete Erkrankung, die diese Symptome auslöst. 

Die genauen Ursachen von Alzheimer sind bislang nicht vollständig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass bei Alzheimer die Nervenzellen nach und nach geschädigt werden und absterben. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Ablagerungen eine Rolle spielen, die sich im Laufe der Jahre ansammeln und dann eine kritische Menge überschreiten.  

Es sind vor allem zwei Eiweiße, die diese Ablagerungen bilden: Beta-Amyloid, das sich zwischen den Nervenzellen in sogenannten Plaques sammelt, und ein verändertes Tau-Protein, das sich im Inneren der Nervenzellen in faserartigen Knäueln anlagert. „Dadurch werden unter anderem die Kommunikations- und Transportprozesse der Nervenzellen gestört, was letztlich die Gehirnleistung immer weiter einschränkt“, erklärt der Neurologe Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.  

Alzheimer tritt meist nach dem 65. Lebensjahr auf. Das Risiko steigt mit dem Alter deutlich an und verdoppelt sich ab 65 Jahren etwa alle fünf Jahre. 

Erste Anzeichen und Symptome von Alzheimer

Wo habe ich mein Smartphone hingelegt? Wie hieß noch gleich diese Schauspielerin in dem Film? Solche Vergesslichkeiten kennt fast jeder – und sie sind erst einmal kein Grund zur Sorge. „Bei Alzheimer kommt es mit der Zeit aber viel häufiger zu derartigen Aussetzern. Und sie beginnen, den Alltag zu beeinträchtigen“, sagt Berlit.

Anfangs werden vor allem neue Informationen nicht mehr so gut gespeichert. So können etwa aktuelle Termine vergessen werden, oder dieselbe Geschichte wird innerhalb kurzer Zeit mehrfach erzählt.

Bei vertrauten Tätigkeiten können zudem Schwierigkeiten hinzukommen. So kann es vorkommen, dass jemand, der seit Jahrzehnten jeden Sonntag denselben Kuchen backt, plötzlich nicht mehr weiß, in welcher Reihenfolge die Zutaten in die Schüssel gehören. Oder die Überweisung am Computer, die früher in wenigen Minuten erledigt war, wird auf einmal zur kaum lösbaren Aufgabe.

Auch Probleme bei der Orientierung können zunehmend auftreten: Man findet sich etwa auf einem bekannten Weg nicht mehr zurecht oder man weiß plötzlich nicht, welcher Wochentag oder welches Jahr ist.

Manchmal verändern sich Stimmung und Verhalten. Wer früher gern unter Leute war, zieht sich plötzlich zurück, weil Gespräche anstrengend werden oder ihm eigene Fehler unangenehm sind. Andere wirken ungewohnt misstrauisch, gereizt oder ängstlich.

Wie Alzheimer verläuft: Die drei Stadien

Alzheimer wird meist grob in ein frühes, mittleres und spätes Stadium eingeteilt. „Die Übergänge sind fließend – und wie schnell die Erkrankung fortschreitet, kann sich von Mensch zu Mensch deutlich unterscheiden“, sagt Neurologe Berlit.

  • Frühes Stadium: Erste Gedächtnis- und Orientierungsprobleme treten auf. Im Alltag kommt man noch weitgehend selbstständig zurecht, braucht aber zunehmend Unterstützung bei komplexeren Aufgaben. Diese Phase kann mehrere Jahre dauern.
  • Mittleres Stadium: Orientierung, Sprache und Erinnerungsvermögen lassen stärker nach, alltägliche Tätigkeiten fallen schwerer und Hilfe wird häufiger nötig. Auch diese Phase kann mehrere Jahre andauern.
  • Spätes Stadium: Betroffene sind nun meist umfassend auf Unterstützung und Pflege angewiesen. Kommunikation, Mobilität und selbstständiges Essen oder Ankleiden können stark eingeschränkt sein. Diese Phase kann mehrere Monate bis mehrere Jahre dauern.

Diagnose: Welche Alzheimer-Tests Klarheit bringen

Eine frühe Alzheimer-Diagnose kann helfen, andere mögliche Ursachen der Beschwerden zu erkennen und passende Unterstützung einzuleiten. Außerdem kommen für manche Betroffene im frühen Alzheimer-Stadium inzwischen Medikamente infrage, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. 

Die Hausärztin oder der Hausarzt ist meist erster Ansprechpartner. Ein ausführliches Gespräch, Gedächtnis- und Denkaufgaben sowie Blutuntersuchungen können bei der Abklärung helfen. Verhärtet sich der Verdacht auf Demenz, folgt häufig eine Überweisung in eine neurologische Praxis oder eine spezielle Gedächtnisambulanz und Untersuchungen wie MRT oder CT; teilweise werden auch spezielle Biomarker bestimmt.

Online-Selbsttests können allenfalls einen ersten Hinweis geben – eine Diagnose ersetzen sie nicht. „Ärztlich abklären lassen sollte man Gedächtnisprobleme vor allem dann, wenn sie häufiger werden, zunehmen oder den Alltag spürbar beeinträchtigen“, sagt Neurologe Berlit.

Leben mit Alzheimer: Alltag, Behandlung, Lebenserwartung und Hilfe für Angehörige

Alzheimer schreitet über Jahre fort – wie schnell, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die Lebenserwartung nach der Diagnose liegt im Durchschnitt bei etwa fünf bis acht Jahren, kann je nach Alter, Gesundheitszustand und Krankheitsverlauf aber deutlich kürzer oder länger sein. In vielen Fällen sind Komplikationen der Erkrankung oder auch Infektionen die Todesursache.

Alzheimer ist bislang nicht heilbar. Medikamente können Symptome lindern oder bei geeigneten Betroffenen im frühen Krankheitsstadium das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Ergänzend können Ergotherapie, Bewegung, Gedächtnisübungen und gemeinsame Aktivitäten helfen, vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und den Alltag zu erleichtern.

Grundsätzlich gilt: Betroffene brauchen mit der Zeit immer mehr Unterstützung. Hilfreich im Alltag können feste Abläufe, vertraute Dinge und eine einfache, ruhige Kommunikation sein.

Angehörige sollten unbedingt Hilfe annehmen! Je nach Pflegegrad kommen etwa Pflegegeld, ambulante Unterstützung, Tagespflege oder Entlastungsleistungen infrage. Die hkk bietet außerdem Pflegeberatung und kostenlose Online-Pflegekurse an – darunter einen eigenen Kurs zu Alzheimer und Demenz.

Der Neurologe Prof. Dr. Peter Berlit ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Er war von 1992 bis 2017 Chefarzt der Neurologischen Klinik mit Klinischer Neurophysiologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen.
 

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