Älteres Ehepaar steht in der Küche und kocht gemeinsam.
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Demenz: Anzeichen erkennen, Formen verstehen, Angehörige unterstützen

Ein geliebter Mensch verändert sich und plötzlich ist vieles anders. Demenz stellt Betroffene wie auch Angehörige vor Herausforderungen. Welche Formen und Anzeichen es gibt und was im Umgang hilft, lesen Sie hier.

Qualitätssicherung: Philipp Grätzel von Grätz, Arzt und Medizinjournalist

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Das Wichtigste in Kürze

  • Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten dauerhaft nachlassen. Die häufigste Form ist Alzheimer, gefolgt von vaskulärer und frontotemporaler Demenz. 

  • Erste Anzeichen sind häufige Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme und nachlassende Sprachfähigkeit. Schusseligkeit allein ist kein Warnsignal. Erst wenn Symptome auffällig oft auftreten, sollte man einen Arzt aufsuchen. 

  • Der Verlauf gliedert sich in frühes, mittleres und spätes Stadium. Wie schnell eine Demenz fortschreitet, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt stark von der jeweiligen Demenzform ab. 

  • Die Diagnose klärt ein Arzt durch Tests, Gespräche und bildgebende Verfahren. Einfache Alltagsfragen zu Nachrichten oder Sportergebnissen können zu Hause erste Hinweise auf kognitive Einschränkungen liefern. 

  • Im Alltag helfen kurze Sätze, feste Tagesabläufe und eine vertraute Umgebung. Die hkk bietet Pflegeberatung und einen kostenlosen Online-Pflegekurs zu Alzheimer und Demenz für pflegende Angehörige.

Was ist Demenz?

Mit wem habe ich eben noch telefoniert? Habe ich überhaupt telefoniert? Wo liegt das Telefon? Tauchen solche Fragen häufiger auf, kann eine Demenz dahinterstecken. Demenz ist dabei keine einzelne Krankheit, sondern ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denkleistung oder Orientierung dauerhaft nachlassen. Medizinisch wird Demenz unter dem ICD-10-Code F00–F03 klassifiziert. Mit dem Alter steigt das Risiko dafür deutlich an; die meisten Betroffenen sind über 65 Jahre alt. Hierzulande leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. 

Welche Arten von Demenz gibt es?

Die häufigste Demenzform ist Alzheimer, gefolgt von der vaskulären Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht. Seltener sind die frontotemporale Demenz und die Lewy-Körper-Demenz. In Deutschland verteilen sich die Demenzfälle ungefähr wie folgt:  

  • Alzheimer-Demenz: ca. 60–70 % 
  • Vaskuläre Demenz: ca. 15 % 
  • Lewy-Körper-Demenz: ca. 5 % 
  • Frontotemporale Demenz: ca. 5 % 
  • Andere Demenzformen: ca. 5–15 % 

Vaskuläre Demenz: die wichtigsten Risikofaktoren

Die Probleme beginnen bei der vaskulären Demenz in den Blutgefäßen: Durchblutungsstörungen schädigen Bereiche des Gehirns – etwa nach Schlaganfällen oder durch viele kleine Gefäßschäden. „Das kann zu unterschiedlichen Beschwerden führen, je nachdem, welche Hirnregionen betroffen sind. Häufig stehen anfangs weniger die Gedächtnisprobleme im Vordergrund als Schwierigkeiten beim Planen, Konzentrieren oder Verarbeiten von Informationen“, sagt der Neurologe Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Wichtige Risikofaktoren für eine solche vaskuläre Demenz sind Diabetes, Rauchen und andere Erkrankungen, die die Blutgefäße schädigen. 

Frontotemporale Demenz: Demenz in jüngeren Jahren

Als die Familie von Bruce Willis seine Diagnose einer frontotemporalen Demenz öffentlich machte, war der Schauspieler 67 Jahre alt. Für diese Demenzform ist das vergleichsweise spät: Sie tritt meist vor dem 65. Lebensjahr auf. In Deutschland sind schätzungsweise mehrere 10.000 Menschen betroffen, die Dunkelziffer ist aber hoch, genaue Zahlen gibt es nicht. 

Häufig verändern sich schnell auch Persönlichkeit und Verhalten: Betroffene wirken beispielsweise ungewöhnlich teilnahmslos, impulsiv, taktlos oder enthemmt. Deshalb wird eine frontotemporale Demenz anfangs mitunter für eine psychische Erkrankung gehalten. Für Angehörige können gerade diese Wesensveränderungen besonders belastend sein. Bei anderen Betroffenen stehen eher Sprachprobleme im Vordergrund.  

Bei der fortschreitenden Erkrankung des Gehirns sterben Nervenzellen im Stirn- (Frontallappen) und Schläfenbereich (Temporallappen) ab. Die Ursache ist bislang noch nicht geklärt. 

Erste Anzeichen und Symptome einer Demenz

Sie sind eben erst zur Tür hereingekommen, doch können sich absolut nicht daran erinnern, wo Sie den Schlüssel abgelegt haben. Auch den Namen der neuen Nachbarin haben Sie vergessen – oder haben Sie ihn sich erst gar nicht gemerkt? Das sind erst einmal Zeichen für Vergesslichkeit – da muss noch lange keine Demenz dahinterstecken. Und doch beginnt Demenz tatsächlich häufig mit einer solchen Vergesslichkeit. „Genauer hinschauen sollte man, wenn die Vergesslichkeit auffällig oft vorkommt“, sagt Berlit. 

Zu Beginn der Krankheit sind meist Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit beeinträchtigt. So kann es etwa passieren, dass Betroffene kurz nach einem Gespräch nicht mehr wissen, worüber gesprochen wurde, oder dieselbe Frage innerhalb kurzer Zeit mehrfach stellen. Schusseligkeit, Unaufmerksamkeit und Konzentrationsstörungen sind hingegen keine Anzeichen für eine Demenz.

Demenz-Verlauf: Die Stadien im Überblick

Eine Demenz wird meist grob in ein frühes, mittleres und spätes Stadium eingeteilt. „Die Übergänge sind fließend – und wie schnell die Erkrankung fortschreitet, kann sich je nach Demenzform und von Mensch zu Mensch deutlich unterscheiden“, sagt Neurologe Berlit. 

Ein alter Mann macht essen, während eine alte Frau zuguckt.

Demenz-Verlauf: Die Stadien im Überblick

1.

Frühes Stadium:

Erste Gedächtnis- und Orientierungsprobleme treten auf. Man kommt im Alltag noch weitgehend selbstständig zurecht, braucht aber zunehmend Unterstützung bei komplexeren Aufgaben.

2.

Mittleres Stadiu:

Orientierung, Sprache und Erinnerungsvermögen lassen stärker nach, alltägliche Tätigkeiten fallen schwerer und Hilfe wird häufiger nötig. Die Beschwerden werden deutlicher.

3.

Spätes Stadium:

Man ist meist umfassend auf Unterstützung und Pflege angewiesen. Kommunikation, Mobilität und selbstständiges Essen oder Ankleiden können stark eingeschränkt sein.

Diagnose: Welche Demenz-Tests Klarheit bringen

Wer sich nicht sicher ist, ob ein Angehöriger an Altersvergesslichkeit oder sogar Demenz leidet, kann durchaus zu Hause vorab ein paar Tests machen – und dann gegebenenfalls ärztliche Hilfe für die weitere Diagnostik suchen.  

Eine Möglichkeit etwa, die nicht nur Mediziner anwenden können: Betroffene in einem normalen Gespräch zu fragen, was in den Nachrichten lief und was gerade so in der Welt passiert. So erfährt man schnell, ob die Person noch aktiv mitbekommt, was aktuell in Wirtschaft und Politik passiert, oder ob sie alte Geschichten erzählt, beispielsweise aus einer Zeit, als noch ein anderer Bundeskanzler an der Macht war. Wenn jemand fußballbegeistert ist, kann man auch nach den Ergebnissen des Lieblingsvereins vom letzten Wochenende fragen.  

Ob es sich um Altersvergesslichkeit oder tatsächlich um eine Demenz handelt, kann nur ein Mediziner oder eine Medizinerin herausfinden. Die Fachperson berücksichtigt dafür unter anderem die Dauer der Beschwerden und den Umfang der Einschränkungen im Alltag. Soll die genaue Ursache einer Demenz geklärt werden, müssen in einer spezialisierten Klinik etliche Tests und auch bildgebende Untersuchungen durchgeführt werden. 

Wer Veränderungen früh bemerkt und ärztlich abklären lässt, kann mögliche behandelbare Ursachen ausschließen und den Alltag besser planen. Eine Demenz lässt sich zwar nicht immer verhindern, aber regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte und die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck können helfen, das Risiko zu senken. 

Alltag mit Demenz: Umgang, Pflege und Lebenserwartung

Bei Demenz gilt im Alltag oft: weniger korrigieren, mehr begleiten. „Behauptet ein Betroffener etwa, er habe gerade gefrühstückt, obwohl die Mahlzeit längst vorbei ist, muss man ihn nicht unbedingt vom Gegenteil überzeugen. Oft ist es wichtiger zu schauen, was er gerade braucht – etwas zu trinken, Ruhe oder einfach ein Gefühl von Sicherheit“, so Berlit. Hilfreich im Umgang seien auch kurze, einfache Sätze, Blickkontakt und möglichst nur eine Frage auf einmal.  

Ebenso wichtig ist eine Umgebung, die Orientierung gibt. Feste Tagesabläufe, gut sichtbare Uhren und Kalender, ausreichend Licht und vertraute Gegenstände können helfen. Stolperfallen sollten verschwinden, Gefahrenquellen wie Herd, Treppen oder Fenster je nach Krankheitsstadium abgesichert werden. Veränderungen in der Wohnung am besten behutsam vornehmen: Was vertraut ist, vermittelt Sicherheit. 

Und: Pflege muss niemand allein stemmen. Pflegestützpunkte, Demenzberatungsstellen und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft beraten Betroffene und Angehörige. Bei anerkannter Pflegebedürftigkeit kommen je nach Pflegegrad außerdem Leistungen wie Pflegegeld, Unterstützung durch ambulante Pflegedienste, Tages- und Nachtpflege oder eine Vertretung bei Verhinderung der Pflegeperson infrage. Die hkk bietet eine Pflegeberatung sowie einen kostenlosen Online-Pflegekurs „Alzheimer & Demenz“, der unter anderem Wissen zum Umgang mit Demenz und zur Entlastung von Angehörigen vermittelt. Auch bei der Suche nach passenden Pflegeangeboten unterstützt die hkk. 

Wie lange Menschen mit Demenz leben, ist ganz unterschiedlich. Dabei spielen unter anderem die Demenzform, das Alter bei der Diagnose und der allgemeine Gesundheitszustand eine Rolle. Manche leben noch viele Jahre mit der Erkrankung. Wie sie im Einzelfall verläuft, lässt sich aber nicht genau vorhersagen.  

Der Neurologe Prof. Dr. Peter Berlit ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Er war von 1992 bis 2017 Chefarzt der Neurologischen Klinik mit Klinischer Neurophysiologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen.
 

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