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Bewegung

„Yoga ist erlebnisorientiert.“

Die Sehnsucht nach innerer Ruhe ist ein zentrales Bedürfnis gerade bei Menschen, die besonderem Stress ausgesetzt sind. Die Suche nach einem Weg, dem Leistungsdruck oder anderen Krisen zu begegnen, führt einige Betroffene zu einer besonderen Lehre: Yoga. Allerdings haften kaum einer Bewegungsform so viele Klischees an wie dieser. Grund genug, den Yoga-Ausbilder Richard Hackenberg nach den Details zu fragen.

Autor: Kerstin Degener
Qualitätssicherung: Richard Hackenberg

Lesezeit: 4 / veröffentlicht:

Wie entstand für Sie die Faszination an Yoga?
Als Kind war ich schwer an Asthma erkrankt und konnte überhaupt keinen Sport ausüben. Als junger Erwachsener erhielt ich von einem Bekannten den Tipp, dass Yoga mit den Atemübungen eventuell mein Asthma lindern könne. Zu der Zeit gab es in Deutschland aber kaum Übungsmöglichkeiten. 1998 entdeckte ich in Australien zahlreiche Yoga-Studios und hatte dort meine erste Stunde, die recht körperbetont strukturiert war. Das war mein Schlüsselerlebnis. Als Naturwissenschaftler bin ich seit jeher an der Anatomie des Körpers und dessen Funktionen interessiert. Ich war nachhaltig so beeindruckt, dass ich mich bald danach für den Weg mit Yoga entschieden habe. Tatsächlich betreibe ich nun Yoga seit 40 Jahren und bin mit dem Thema noch lange nicht am Ende. Die ganzheitliche Betrachtung der Philosophie, den damit verbundenen Gedanken an Achtsamkeit und Pflege von positiven Gefühlen ist für mich extrem spannend. Mein Asthma ist übrigens komplett auskuriert.

Warum ist Yoga gerade so im Trend?
Sehr viele Sportarten sind ergebnisorientiert. Yoga ist hingegen erlebnisorientiert. Gutes Yoga kann den Druck aus dem Alltag nehmen. Mit der richtigen Kombination aus körperlichen Übungen und Atemtechniken lässt sich viel erreichen. Man lernt sich besser kennen und spüren. Es ist durch Yoga möglich, mentale Muster zu erkennen und diese zu verändern. In den heutigen stressbelasteten Zeiten kann Yoga einen positiven Gegenpol bilden. Es gibt ganz viele Menschen, die mit Yoga beginnen und dann schnell mit einem Problem konfrontiert werden: Sie können keine zwei Sekunden sitzen, ohne, dass ihre Gedanken die Situation bestimmen. In einer guten Yoga-Stunde baut sich das Adrenalin ab, der Körper ist in Bewegung und die innere Ruhe stellt sich ein.

Was macht Yoga so effektiv?
Yoga soll kräftigen und entspannen. Daher bilden drei Säulen die Basis. Die erste Säule ist der Körper, der sich durch die Übungen – also die Asanas – bewegt. Mit der Zeit verändert der Körper seine Struktur, die Muskulatur wird stärker. Rückenschmerzen können beispielsweise völlig verschwinden. Die zweite Säule ist die Atmung, die immer im Zentrum steht. Die dritte Säule ist die Psyche, die durch Meditation positiv beeinflusst wird. Es gibt eine Reihe von Yoga-Stilen wie Ashtanga, die sehr akrobatisch und schweißtreibend sind. Modern ist derzeit Yin-Yoga, das sehr langsam ist und viele Stretching-Anteile enthält. Ich selbst bin eher für den Mittelweg. Das klassische Hatha-Yoga ist eines dieser Beispiele. Hier werden Asanas langsamer und fließender umgesetzt. Gleichzeitig liegt der Fokus auf einer ruhigen, gleichmäßigen Atemtechnik.

Sie bilden seit Jahren Yogalehrer aus. Worauf kommt es dabei an?
Yoga ist die Verbindung von Anatomie, Physiologie und Psychologie. Ein guter Lehrer hat zu diesen drei Punkten umfassende Kenntnisse. Didaktik und eine Kompetenz im Hinblick auf Gruppendynamik sind für einen guten Lehrer ebenfalls wichtig. Das gesamte Verständnis all dieser Themen macht die Ausbildung aus. Nur ein geschulter Blick kann erkennen, wenn ein Schüler bei der Ausführung von Asanas kleine Fehler macht. Kleine Fehler, die aber eventuell zu körperlichen Problemen führen. Darum sollten Anfänger auf keinen Fall zuhause alleine Asanas versuchen. Dies gilt auch für eindimensionale Online-Kurse. Die Anleitung durch einen erfahrenen Yoga-Lehrer ist essenziell.

Zur Person

Richard Hackenberg studierte Naturwissenschaften, war Musiker, Moderator, Kulturredakteur und Reisender zwischen Ost und West. Zur Jahrtausendwende machte er seine Passion für Yoga zum Beruf. Als Yoga-Ausbilder ist es ihm wichtig, sein Wissen von Anatomie über Pranayama, Psychologie und Philosophie praktisch umzusetzen. Das macht ihn zu einem der profiliertesten Yogalehrer und Yoga-Ausbilder Deutschlands. Bisher hat er rund 2.000 Yoga-Lehrer ausgebildet. Zusammen mit seiner Frau Meret gründete er 2015 das Mahaprana Institut, eine Plattform für hochwertige Yoga Aus- und Fortbildungen. Zusammen mit Ralph Skuban veröffentlichte er das Chakra Yoga Praxisbuch.