Mann fasst sich ans Herz
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Herzinfarkt: Jede Minute zählt

Ein Herzinfarkt ist immer ein medizinischer Notfall. Die Symptome, Ursachen und Risikofaktoren können sich deutlich unterscheiden und sind teils schwer zu erkennen. Hier erfahren Sie, wie ein Herzinfarkt entsteht, welche Warnsignale typisch sind und was im Ernstfall zu tun ist.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Herzinfarkt ist ein akuter medizinischer Notfall, bei dem ein Herzkranzgefäß plötzlich verschlossen wird und Teile des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.  
  • Ursache ist meist eine über Jahre entstandene koronare Herzkrankheit, bei der Ablagerungen in den Gefäßen aufreißen und ein Blutgerinnsel den Blutfluss vollständig blockiert.  
  • Typische Symptome sind starke Schmerzen oder Druck in der Brust, oft mit Ausstrahlung in Arme, Rücken, Hals oder Kiefer, sowie Atemnot, Übelkeit und kaltem Schweiß.  
  • Schnelles Handeln wichtig: Bei Verdacht sofort den Notruf 112 wählen, denn jede verlorene Minute erhöht das Risiko für bleibende Herzschäden erheblich.  
  • Vorbeugen lässt sich vor allem durch einen gesunden Lebensstil und die konsequente Behandlung von Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Cholesterinwerten. 

Was ist ein Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt, medizinisch Myokardinfarkt genannt und unter ICD-10 klassifiziert, entsteht meist infolge einer koronaren Herzkrankheit. Dabei lagern sich über Jahre Fette und Kalk in den Herzkranzgefäßen ab. Diese Ablagerungen, auch Plaques genannt, können aufreißen. An dieser Stelle bildet sich dann ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verschließt – und so einen Herzinfarkt auslöst. „Teile des Herzmuskels werden abrupt von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Dann zählt jede Minute“, sagt Prof. Dr. med. Michael Becker, Chefarzt der Kardiologie des Rhein-Maas Klinikums. 

Was passiert bei einem Herzinfarkt?

Ohne Sauerstoff beginnen Herzmuskelzellen bereits nach wenigen Minuten (ca. 3–5 Minuten) abzusterben. Nach 20–30 Minuten wird der Schaden zunehmend irreversibel. Je schneller das Gefäß wieder geöffnet wird, desto mehr Herzmuskel kann gerettet werden. Unbehandelt kann ein Herzinfarkt zu schweren Herzrhythmusstörungen, Kreislaufversagen bis hin zum plötzlichen Herztod führen. 

Welche Symptome treten bei einem Herzinfarkt auf?

Typische Symptome eines Herzinfarkts sind plötzliche starke Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust. Die Schmerzen können in einen oder beide Arme, in Rücken, Schulter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen. Häufig treten zusätzlich Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, kalter Schweiß, Schwindel und Angst auf. 

Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes können die Symptome weniger typisch sein. Zum Beispiel, weil Schmerzen schwächer wahrgenommen werden oder Nervenschäden die Weiterleitung von Schmerzsignalen beeinträchtigen. „Ein Herzinfarkt kündigt sich nicht immer mit dramatischen Brustschmerzen an. Auch Atemnot, Übelkeit, Rückenschmerzen oder eine extreme Schwäche können Warnzeichen sein“, sagt Becker.

Herzinfarkt: Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Der wichtigste Auslöser eines Herzinfarkts sind Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen. Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes mellitus, Übergewicht, Bewegungsmangel und anhaltender Stress. Auch eine familiäre Veranlagung spielt eine wichtige Rolle.  

Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen. Gründe dafür sind unter anderem, dass ihre Herzkranzgefäße im Schnitt früher Ablagerungen entwickeln, und schützende Effekte weiblicher Hormone fehlen. Zusätzlich treten klassische Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck bei Männern oft früher und ausgeprägter auf, was das Risiko weiter erhöht. 

Herzinfarkt: Warum jetzt jede Minute zählt

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Notruf 112 wählen. Jede verlorene Minute erhöht das Risiko für bleibende Schäden. „Betroffene sollten nicht selbst Auto fahren oder darauf hoffen, dass die Beschwerden von allein verschwinden“, betont Kardiologe Becker. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes kann man den Oberkörper hochlagern und enge Kleidung öffnen. Ausführliche Informationen gibt es in unserem Artikel zur Ersten Hilfe bei einem Herzinfarkt

Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

In den meisten Fällen wird das verschlossene Gefäß im Herzkatheterlabor mit einem kleinen Ballon wieder eröffnet und anschließend mit einem Stent stabilisiert. Ergänzend erhalten Betroffene Medikamente, die Blutgerinnsel verhindern und das Herz entlasten.

Wie lässt sich einem Herzinfarkt vorbeugen?

Wer nicht raucht, sich regelmäßig bewegt, ausgewogen isst und auf gute Werte bei Blutdruck und Blutzucker achtet, kann sein Risiko deutlich senken. Auch sein Cholesterin zu senken, ist sehr wichtig. 

„Ein gesunder Lebensstil und die konsequente Behandlung von Risikofaktoren sind der beste Schutz vor einem Herzinfarkt“, sagt Becker. 

Portrait Prof. Michael Becker

Prof. Dr. med. Michael Becker ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Internistische Intensivmedizin. Seit 2018 leitet er die Klinik für Kardiologie am Rhein-Maas Klinikum. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die geschlechtersensible Herzmedizin. Im Jahr 2018 gründete er das erste deutsche Frauenherz-Zentrum.
 

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