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Asthma

Nächtlicher Husten kann ein Signal sein

Etwa zehn Prozent der Kinder in Deutschland sind von einer Asthmaerkrankung betroffen. Sie sollte frühzeitig erkannt und behandelt werden. Im Interview erklärt Experte Prof. Dr. Eckhard Hamelmann, welche Besonderheiten es bei Kinder-Asthma gibt.

Autor: Patrick Sporleder
Qualitätssicherung: Prof. Dr. Eckhard Hamelmann

Lesezeit: 4 / veröffentlicht:

Woran kann man bei Kindern eine Asthmaerkrankung erkennen?

Die Diagnose Asthma bronchiale ist eine klinische. Das heißt, es gibt keinen Biomarker oder Laborwert, der diese Diagnose sichert. Letztlich ist Asthma eine chronisch-entzündliche Erkrankung der kleinen Atemwege, die zu einer bronchialen Überempfindlichkeit führt. Zum Beispiel kann es bei Kontakt mit Allergenen, bei körperlicher Belastung oder auch in Stresssituationen zu einer generalisierten Obstruktion (Verengung) insbesondere der kleinen Atemwege kommen. Diese Obstruktion ist im Gegensatz zur COPD aber reversibel. Sie kann also mit einem kurzwirksamen Medikament unterbrochen werden – sie vergeht nach einigen Stunden von allein.

Was sind die ersten Anzeichen?

Erste Anzeichen für ein Asthma bronchiale bei Kindern können ein vermehrter, trockener Husten insbesondere nächtlich oder am Morgen sein (vor allem bei Hausstaubmilben-Allergie), Husten und Atemnot nach körperlicher Belastung oder saisonale Probleme der unteren Atemwege mit Husten, pfeifenden Atemgeräuschen oder Atemnot bei respiratorischen Allergien.

Was ist zu tun, wenn ein Kind einen akuten Asthmaanfall hat?

In Abhängigkeit von der Schwere des Anfalls sollte unter Umständen ein Notarzt gerufen bzw. eine Notfallambulanz aufgesucht werden. Ein schwerer Asthmaanfall geht auch immer mit deutlichem Sauerstoffmangel einher. Hier muss also die ausreichende Sauerstoffzufuhr gewährleistet werden. Bei einem leichten Asthma-Anfall reicht es, das sogenannte Notfallmedikament einzusetzen. Bei älteren Kindern ab zwölf Jahren kann auch die Dauermedikation, die regelmäßig ein oder zwei Mal am Tage genommen wird, zusätzlich bei Bedarf eingesetzt werden.

Haben alle Kinder mit einer Asthmaerkrankung auch später als Erwachsene noch Beschwerden?

Es gibt in der Tat einige Jugendliche, die ihr Asthma „auswachsen“. Dies ist aber nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme. Die meisten Kinder, die unter allergischem Asthma leiden, also nachgewiesen eine oder mehrere Allergien haben und mit asthmatischen Beschwerden aufgefallen sind, werden dies auch in die Erwachsenenzeit hinein transportieren. Besonders Kleinkinder, die überwiegend auf respiratorische Infekte mit Asthma-typischen Symptomen wie pfeifende Atmung und Atemnot reagieren, verlieren diese Symptome aber häufig bei Auswachsen der Atmungsorgane und der Reifung des Immunsystems.

Warum sind Jungen anfälliger als Mädchen und weshalb kehrt sich dieses Verhältnis im Alter um?

Dies kann letztendlich nur mit hormonellen Umstellungen während der Pubertät erklärt werden. Die besondere Physiologie der Atemwege vor und nach der Pubertät mit spezifischen Auswirkungen auf die Entzündungsreaktion und die bronchiale Überempfindlichkeit erklärt am besten, warum zunächst Jungen anfälliger, dies später jedoch Mädchen sind.

Welche Behandlungsmethoden für Asthma bieten sich bei Kindern an?

Asthma ist eine chronische Entzündungserkrankung und muss deswegen in der Regel dauerhaft und anti-entzündlich behandelt werden. Grundlage der Behandlung stellen sogenannte inhalative Kortikosteroide dar, die bei richtiger Anwendung und Dosierung ohne wesentliche Nebenwirkungen sind. Bei schlecht kontrolliertem Asthma können weitere Medikamente hinzugefügt werden, insbesondere langwirksame Betamimetika oder langwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten. Dies sind relevante Medikamente in der Behandlung, welche die Atemwege langfristig erweitern und die Luftzufuhr verbessern. Erst bei sehr schwerem Asthma bei Kindern und Jugendlichen können auch Biologika eingesetzt werden, also spezifische Antikörper, die zum Beispiel gegen das Immunglobulin E (IgE) oder das Interleukin IL-5 oder IL-4 gerichtet sind. Diese Behandlungsformen sollten durch ausgewiesene Spezialisten für pädiatrische Pneumologie initiiert und begleitet werden.

Zur Person

Prof. Dr. Eckhard Hamelmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Evangelischen Klinikums Bethel in Bielefeld