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Gastbeitrag

Arzneimittel in der Schwangerschaft

Kopfschmerzen, Übelkeit, Allergien, Durchfall, Erkältung – welche Arzneimittel sind in der Schwangerschaft erlaubt, welche nicht? Dieser heiklen Frage geht Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, in seinem Gastbeitrag auf den Grund.

Autor: Dr. med. Christian Albring
Qualitätssicherung: Dr. med. Christian Albring

Lesezeit: 2 Minuten / veröffentlicht:

In der Schwangerschaft sollten nur Arzneimittel angewendet werden, die nicht negativ auf das ungeborene Baby einwirken, die nicht die Blutgerinnung verändern oder Wehen anregen können. Darum gelten folgende Grundsätze:

Rezeptpflichtige Arzneimittel bei Vorerkrankungen oder Infektionen

Wenn Arzneimittel notwendig sind, um Erkrankungen zu behandeln wie bakterielle Infektionen, Asthma, Erkrankungen von Herz und Kreislauf, Schilddrüse, Diabetes, rheumatische Erkrankungen, Krebs, psychische oder neurologische Erkrankungen, Migräne und anderes, so wägen die Ärztinnen und Ärzte ab. Denn ein Stopp der Behandlung würde vielfach die Situation verschlechtern, zu Ungunsten des Babys und der Mutter. Eine wichtige Datenbank, in der der aktuelle Wissensstand zu Arzneimitteln in der Schwangerschaft zusammengefasst ist, ist www.embryotox.de

Leichte und mittelschwere Beschwerden und Krankheiten

Schmerzen: Schmerzen haben immer eine Ursache. Es gilt in erster Linie, diese Ursachen zu finden und abzustellen. Schmerzmittel sollten in der Schwangerschaft, wenn überhaupt, nur über ganz kurze Zeit verwendet werden. Trotzdem müssen Schmerzen zum Beispiel nach einer Verletzung oder bei einer schweren Erkrankung natürlich wirkungsvoll bekämpft werden. Hier wird man immer versuchen, einen Weg zu finden, der das Baby nicht beeinträchtigt.

Kopfschmerzen in der Schwangerschaft können durch Eisenmangel hervorgerufen sein, durch zu wenig Trinken, durch Müdigkeit und Erschöpfung, bei falscher Lagerung im Bett oder bei Zahnproblemen. Dies alles sollte die Schwangere mit Sorgfalt beachten und die Ursachen beseitigen. Schmerzmittel, auch rezeptfreie Schmerzmittel, sollten in der Schwangerschaft, wenn überhaupt, nur ganz kurzfristig verwendet werden. 

Auch Zahnschmerzen in der Schwangerschaft sollten nicht mit Schmerzmitteln unterdrückt werden. Es sollte stattdessen eine zeitnahe zahnärztliche Versorgung angestrebt werden. Zahnärztinnen und -ärzte sind auf die Behandlung von Schwangeren eingestellt und verwenden nur Betäubungsmittel und Materialien, die auch in der Schwangerschaft unbedenklich angewandt werden können.

Durchfall und Erbrechen als Folge einer akuten Gastroenteritis heilen in aller Regel von allein aus. Antibiotika sind meistens nicht erforderlich, manchmal verzögern sie sogar die Abheilung. Wichtig ist es unbedingt, in dieser Zeit sehr viel zu trinken und die verloren gegangenen Elektrolyte zu ersetzen. Arzneimittel, um den Durchfall zu stoppen, sollten nur über wenige Tage eingenommen werden.

Schwangerschaftsübelkeit und -erbrechen können sehr hartnäckig und belastend sein. Wenn Allgemeinmaßnahmen wie frische Luft, Spaziergänge, kleine Mahlzeiten, vermeiden fettiger, proteinreicher und stark gewürzter Nahrungsmittel, Ingwertee, Weglassen von Kaffee etc. nicht helfen, können durch die Frauenärztin oder den Frauenarzt geeignete Arzneimittel verordnet werden, die in der Schwangerschaft bewährt sind und dem Baby nicht schaden.

Allergien und Heuschnupfen: Moderne Antihistaminika haben keinen Einfluss auf die Schwangerschaft und das ungeborene Baby. Sie können ohne Gefahr die ganze Heuschnupfen-Saison über verwendet werden. Wenn zum Heuschnupfen Asthma hinzukommt, sollten zusätzlich auch Cortison Inhalationen verwendet werden. Das Cortison aus dem Asthmaspray wirkt direkt an der Schleimhaut der Luftwege und wird dort abgebaut. Nur ein Bruchteil gerät überhaupt in den Körper. Auf das Baby haben diese geringen Mengen keinen Einfluss.

Erkältung: In vielen frei verkäuflichen Grippemitteln sind Fiebersenker und Schmerzmittel enthalten. Diese sind nicht harmlos, weil einige davon durch die Plazenta zum Baby gelangen und die Entwicklung des Herzens beeinflussen können. Besser ist es, einen Gang runterzuschalten und die Erkältung auszukurieren. Paracetamol kann jedoch über wenige Tage verwendet werden.

Portrait von Dr. med. Christian Albring

Zur Person

Dr. med. Christian Albring ist Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

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