Die neue Rolle als Eltern
Kinder verändern das Leben der Eltern von Grund auf. Bei aller Fürsorge und Liebe zum Baby dürfen Mutter und Vater sich selbst und ihre Beziehung aber nicht vergessen. „Selbstfürsorge in der frühen Elternschaft ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für feinfühlige Elternschaft.“, weiß Diplom-Sozialpädagogin Iris Tolle. „Wer dauerhaft überlastet ist, reagiert schneller gereizt oder emotional distanziert. Entscheidend ist, dass Eltern sich nicht erst am Limit Unterstützung erlauben.“ Sie sollten sich regelmäßig regenerieren und ihre Kraftreserven auffüllen, die sie für sich und ihre Familie brauchen.
Im Alltagstrott können sich die Eltern schon einmal aus den Augen verlieren. Ein bewusster Umgang miteinander ist wichtig, damit ihr Interesse aneinander lebendig bleibt. Ein intaktes Familienleben ist oft mehr wert als der makellos saubere Haushalt. Solange Kinder gesund und gut versorgt sind, schadet es ihnen nicht, wenn sie für ein paar Stunden bei den Großeltern oder einem Babysitter bleiben. Von ausgeglichenen Eltern profitieren auch die Kleinen.
Sowohl die Frau als auch der Mann müssen mit einem Kind anfangs auf viele Gewohnheiten verzichten. Viele Männer fühlen sich aus der intimen Zweierbeziehung zwischen Mutter und Kind ausgeschlossen, was leicht zu Beziehungsproblemen führen kann. So wie das Baby zunächst völlig abhängig von der Mutter ist, ist für manchen Vater die Verantwortung als Alleinverdiener eine Belastung. Berufstätige Mütter geraten häufig in einen Teufelskreis von Verantwortungsgefühl, Schuldgefühl und Sehnsucht nach ihrem Kind. „Deshalb sollten sich Mutter und Vater nicht von zu vielen Erwartungen bedrängen lassen, sondern ihren Weg finden, der zur eigenen Lebensrealität und zum eigenen Kind passt.“, so Iris Tolle.