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Hallo Baby

Eine Windel zum Wegwerfen, aber mit gutem Gewissen

Eltern mit Babys kennen es: Jeden Tag müssen mehrmals die Windeln gewechselt werden. Deshalb ist es wichtig, sich zu überlegen, für welches Produkt man sich entscheidet. Mittlerweile gibt es neben den üblichen auch nachhaltigere Öko- oder Biowindeln. Stellen sie eine sinnvolle Alternative dar, oder gibt es einen Haken?

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Laut dem Statistischen Bundesamt erblickten im Jahr 2020 rund 773.100 Kinder das Licht der Welt. Bis es selbstständig zur Toilette gehen kann, verbraucht ein Baby in den ersten Jahren ca. 4.000 bis 6.000 Windeln. „Besonders im ersten Lebensjahr benötigen Babys mindestens sechs Windeln am Tag. Der Verbrauch ist sehr hoch“, weiß Manuela Rauer-Sell, beratende Hebamme bei Deutscher Hebammenverband e.V. Pro Kind kann dabei ca. eine Tonne Windelmüll anfallen. Deshalb ist es sinnvoll, zu hinterfragen, aus welchen Materialien das Produkt eigentlich hergestellt worden ist.

Praktisch, einfach, umweltschädlich

Die typische Wegwerfwindel besteht hauptsächlich aus Plastik und Zellulose. Sie hat einen Superabsorber, auch Saugkern genannt, der enorm viel Flüssigkeit aufnehmen kann. Das macht sie äußerst praktisch und nebenbei verhindert der Saugkern einen wunden Po. Doch dieser Kern basiert auf Erdöl. Deshalb ist die typische Wegwerfwindel weder nachhaltig noch gut für die Umwelt oder das Klima. Da Windeln in großen Mengen pro Kind verbraucht werden, stellt diese Windelart eine große Belastung für die Umwelt dar. Sie verursacht nämlich enorme Müllberge und die verwendeten Materialien sind biologisch nicht abbaubar.

Auf andere Rohstoffe setzen

Im Zuge des wachsenden Bewusstseins für Nachhaltigkeit und des ökologischen Fußabdrucks wird auch beim Thema Windel daran gearbeitet, den Anteil fossiler Materialien zu senken. Das Ergebnis: Die Öko- oder Biowindel. „Es handelt sich zwar ebenfalls um eine Einwegwindel, jedoch ist sie weitaus umweltverträglicher als die typische Wegwerfwindel“, erklärt Manuela Rauer-Sell. Die Ökowindel besteht nämlich zu großen Teilen aus biologisch abbaubaren Materialien wie Bio-Kunststoff und mindestens zu 30 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Trägt eine Ökowindel zum Beispiel ein FSC-Gütesiegel (Forest Stewardship Council), wird Bio-Zellstoff aus nachhaltiger Waldwirtschaft verwendet. Je nachdem welche Marke gewählt wird, können ökologische Windeln auch frei von Latex und Duftstoffen sein, oder sie werden chlorfrei gebleicht. Bislang gibt es ökologische Wegwerfwindeln, die maximal zu 85 Prozent aus biologisch abbaubaren Rohstoffen bestehen.

Eine Alternative mit hygienischem Manko

Ein weiteres Windelsystem stellt die Stoffwindel dar. Da sie gewaschen werden kann, ist sie wiederverwendbar. Das reduziert Kosten und spart eine Menge Müll. Was vorteilhaft klingt, hat jedoch einen Haken. Denn der Verbrauch von Wasser und Energie durch das Waschen sowie das eingesetzte Waschmittel gehen auf Kosten der Nachhaltigkeit. Je wärmer der Waschgang, desto mehr Energie wird verbraucht. Ob Eltern bereit sind, weniger auf Hygiene und mehr auf Nachhaltigkeit zu setzen, indem sie unter 60 Grad waschen, ist fraglich. Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Dieses System kann aber auch vorteilhaft sein: „Wenn Eltern mehrere Kinder kriegen, kann die Verwendung dieser Alternative Sinn machen. In dem Fall können die nachfolgenden Kinder das Windelset ihrer älteren Brüder oder Schwestern benutzen, solang sie halten“, rät Manuela Rauer-Sell. Auf diese Weise wird weiterer Müll vermieden.

„Die perfekte Lösung gibt es noch nicht. Der Kostenfaktor ist oftmals ausschlaggebend. Denn Öko-Wegwerfwindeln sind nicht gerade günstig. In der Regel kosten sie in Drogerien doppelt oder manchmal auch dreimal so viel wie die gewöhnliche Wegwerfwindel. Das können sich viele Eltern nicht leisten“, schlussfolgert Manuela Rauer-Sell. Das Produkt in Zukunft erschwinglich zu halten und gleichzeitig zu 100 Prozent aus biologisch abbaubaren Materialien herzustellen, wird die Aufgabe der Entwickler sein.

FSC-zertifizierter Zellstoff

FSC ist die Abkürzung für „Forest Stewardship Council“, eine unabhängige und internationale Organisation, deren Standards weltweit gültig sind. Die Förderung einer nachhaltigen und umweltverträglichen, sozial und wirtschaftlich tragfähigen globalen Waldbewirtschaftung ist das Ziel von FSC.

Zur Person

Manuela Rauer-Sell ist beratende Hebamme beim Deutschen Hebammenverband e. V. in Berlin.