Frau die mit den Händen eine rosa Schleife umrahmend präsentiert
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Brustkrebs: Erkennen und behandeln

Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Doch woran lässt sich ein Tumor erkennen? Welche Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll? Und wie stehen die Chancen auf Heilung?

Qualitätssicherung: Philipp Grätzel von Grätz, Arzt und Medizinjournalist

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Das Wichtigste in Kürze

  • Entstehung: Brustkrebs entsteht, wenn sich Zellen in der Brustdrüse unkontrolliert vermehren und einen bösartigen Tumor bilden; etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens. 
  • Symptome: Mögliche Anzeichen sind Knoten in Brust oder Achselhöhle, Veränderungen von Form oder Größe, eingezogene Hautstellen, auffällige Hautveränderungen oder Flüssigkeitsaustritt aus der Brustwarze. 
  • Erkennung: Zur Früherkennung gehören ärztliche Untersuchungen und das Mammografie-Screening; regelmäßiges Selbstabtasten kann helfen, Veränderungen früher zu bemerken, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung. 
  • Risiken und Einflussfaktoren: Das Brustkrebsrisiko kann unter anderem durch Alter, hormonelle Einflüsse, genetische Faktoren, Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel und regelmäßigen Alkoholkonsum beeinflusst werden. 
  • Therapie und Behandlung: Je nach Tumorbiologie, Stadium, Gesundheitszustand und persönlichen Wünschen kommen Operation, Strahlen-, Chemo-, Antihormon- oder Immuntherapie als Behandlungsmöglichkeiten infrage.

Was ist Brustkrebs?

Brustkrebs, medizinisch Mammakarzinom, entsteht, wenn sich Zellen in der Brustdrüse unkontrolliert vermehren (ICD C50). Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran, Männer sind mit rund 0,1 Prozent der Fälle deutlich seltener betroffen. Schreitet die Erkrankung fort, dann wächst der Tumor ins umliegende Gewebe ein und/oder Krebszellen lösen sich vom ursprünglichen Tumor und breiten sich über Blut- oder Lymphbahnen im Körper aus. Sie bilden dann in Organen oder in weiter entferntem Gewebe Metastasen.

Die Diagnose Brustkrebs trifft viele Frauen emotional sehr hart. „Denn die Brust steht für Mutterschaft, Sexualität und Weiblichkeit – und wird mit der Diagnose plötzlich zur Quelle von Sorge und Unsicherheit“, erklärt Bettina Böer, kommissarische Leiterin des Universitäts-Brustzentrums Tübingen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Brustkrebs?

Welche Behandlung die richtige ist, hängt von der Tumorbiologie, dem Tumorstadium sowie dem Gesundheitszustand und den eigenen Wünschen ab. Je nach Befund kommen eine Operation, Strahlen-, Chemo-, Antihormon- oder Immuntherapie infrage. Auch der Weg zurück in den Alltag ist individuell. „Es gibt Betroffene, die schon nach einigen Wochen wieder arbeiten. Bei anderen kann es aber auch ein oder zwei Jahre dauern“, meint Böer. Unterstützung finden Patienten und Patientinnen im hkk-Behandlungsprogramm, das wichtige Untersuchungen festlegt und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient erleichtert.

Welche Symptome kann Brustkrebs haben?

Im frühen Stadium verursacht Brustkrebs keine Schmerzen. Umso wichtiger ist es, die eigene Brust im Blick zu behalten: Verändert sich etwas, sollte eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache abklären. 

Diese Veränderungen sollten ernst genommen werden:

  • ein Knoten in der Brust oder Achselhöhle 
  • wenn die Brust größer wird oder sich verformt
  • eine eingezogene Brustwarze oder Hautstelle
  • Rötungen und schuppige Brusthaut, die nicht wieder abheilt
  • klare oder blutige Flüssigkeit, die aus der Brustwarze austritt

Eine Veränderung bedeutet dabei nicht automatisch Brustkrebs. Es können auch sogenannte Papillome – gutartige Gewächse –, Zysten, eine normale Gewebezunahme oder eine Brustentzündung hinter manchen Symptomen stecken. Zudem verändert sich die Brust auch durch den Monatszyklus. Ein ärztlicher Befund bringt Klarheit.

Wie erkennt man Brustkrebs?

Die gute Nachricht: Wird Brustkrebs früh erkannt, stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung besonders gut – etwa neun von zehn Frauen überleben die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. Umso wichtiger ist es, die Möglichkeiten der Brustkrebsvorsorge zu kennen. Ab 30 Jahren können Frauen jährlich ihre Brust bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt abtasten lassen. Eine zusätzliche Möglichkeit zur Früherkennung bietet Discovering Hands: Speziell ausgebildete blinde und sehbehinderte Frauen können bei einer Tastuntersuchung kleinste Veränderungen der Brust frühzeitig ertasten.

Zwischen 50 und 75 Jahren kommt alle zwei Jahre das Mammografie-Screening hinzu, bei dem die Brust durch Röntgenstrahlung untersucht wird. Viele Fachgesellschaften empfehlen, die Brust selbst einmal im Monat abzutasten. „Wer seine Brust regelmäßig untersucht, entwickelt ein besseres Gefühl für den eigenen Körper und bemerkt Veränderungen mit größerer Wahrscheinlichkeit“, so Böer. Wichtig sei jedoch: „Das regelmäßige Abtasten ersetzt nicht die ärztliche Untersuchung.“

Welche Ursachen gibt es?

Brustkrebs hat meist nicht die eine Ursache. Alter, hormonelle Einflüsse und genetische Faktoren können das Risiko beeinflussen. Etwa fünf bis zehn Prozent der Erkrankungen gehen auf vererbbare Genveränderungen zurück. Studien zeigen zudem einen Zusammenhang mit Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel und regelmäßigem Alkoholkonsum. Böer ist es dabei wichtig zu betonen: „Trotzdem darf daraus keine Schuldzuweisung entstehen: Die Entstehung von Krebs ist komplex und lässt sich bei einem einzelnen Menschen nicht auf seinen Lebensstil zurückführen.“

Operation

Eine Operation bildet bei örtlich begrenztem Brustkrebs fast immer die Basis der Behandlung. Ob die Brust dabei vollständig entfernt werden muss (vollständige Mastektomie), hängt von verschiedenen Faktoren ab. Möglich ist auch ein anschließender Wiederaufbau der Brust mit Silikonimplantaten oder körpereigenem Gewebe.

Strahlentherapie

Zusätzlich zur Operation wird eine Strahlentherapie vor allem bei frühem, örtlich begrenztem Brustkrebs durchgeführt. Sie soll verbliebene Krebszellen zerstören und damit das Risiko eines Rückfalls senken.

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie erhalten Patientinnen und Patienten sogenannte Zytostatika. Die Medikamente sollen die Krebszellen im gesamten Körper bekämpfen und das Risiko eines Rückfalls senken. Eine Chemotherapie kann vor oder nach der Operation gemacht werden.

Antihormontherapie

Bei vielen Frauen regen die Hormone Östrogen und Progesteron das Wachstum des Tumors an. Die Antihormontherapie soll das verhindern. Dafür gibt es verschiedene Medikamente als Tabletten oder Spritzen: Einige blockieren die wachstumsfördernde Wirkung weiblicher Hormone, andere senken deren Menge im Körper.

Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie

Inzwischen gibt es auch moderne zielgerichtete Therapien, die ergänzend zu Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie eingesetzt werden. Sie kommen sowohl bei frühem als auch bei fortgeschrittenem Brustkrebs infrage; eine Immuntherapie spielt dagegen bislang nur bei bestimmten Brustkrebs-Arten eine Rolle.

Kurzvita - Bettina Böer

Dr. med. Bettina Böer ist Oberärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Tübingen und kommissarische Leiterin des Universitäts-Brustzentrums. Sie ist auf die Diagnostik und Behandlung von Brusterkrankungen spezialisiert und verfügt über langjährige Erfahrung in der Betreuung von Patientinnen mit Brustkrebs.

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