Schulkrankenschwester erteilt Sexualkundeunterricht und zeigt verschiedene Verhütungsmitteln
Schulkrankenschwester erteilt Sexualkundeunterricht und zeigt verschiedene Verhütungsmitteln

Die beliebtesten Verhütungsmittel Deutschlands im Check

Neun von zehn jungen Menschen in Deutschland verhüten – das ergab die Studie zur Verhütung 2024 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wir haben die gängigsten Methoden unter die Lupe genommen und die Hamburger Sexualtherapeutin Mirjam Spitzner um ihre Einschätzung gebeten.

Qualitätssicherung: Philipp Grätzel von Grätz, Arzt und Medizinjournalist

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Das Wichtigste in Kürze

  • Kondom: Häufigste Verhütungsmethode in Deutschland, schützt zusätzlich vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Anwendungssicherheit hängt von korrekter Nutzung ab, in seltenen Fällen kann es reißen oder verrutschen.
  • Weitere Verhütungsmittel für den Mann: Neben der Vasektomie gibt es einige Forschungsansätze, allerdings noch keine gesicherte Methode.
  • Pille: Hormonelle Verhütungsmethode, die regelmäßig eingenommen werden muss. Sehr zuverlässig, aber mit möglichen Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen oder Gewichtszunahme.
  • Hormonspirale: Langfristige Verhütung ohne tägliche Einnahme, bleibt bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter. Kann Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Zyklusveränderungen verursachen.
  • Kupferspirale: Hormonfreie Alternative mit langfristiger Wirkung (bis zu zehn Jahre). Stärkere Regelblutungen möglich. Besonders geeignet für Frauen, die keine hormonelle Verhütung wünschen.
  • Zyklus-Apps: Digitale Methode zur natürlichen Verhütung, hormonfrei und intuitiv. Erfordert Disziplin und ist bei unregelmäßigem Zyklus weniger zuverlässig. Höheres Risiko für ungewollte Schwangerschaften.

Das beliebteste Verhütungsmittel in Deutschland ist das Kondom, gefolgt von der Pille. Doch wie schneiden die Verhütungsmittel hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile ab?

Jedes Verhütungsmittel hat seine Vor- und Nachteile – und nicht jede Methode ist für jede Lebenssituation geeignet, sagt Sexualtherapeutin Mirjam Spitzner. „Wer keine feste Bindung hat, greift vornehmlich zum Kondom. Und wenn die Familienplanung abgeschlossen ist, fällt die Wahl eher auf die Spirale.“ Wichtig sei, sich gut zu informieren und bei Unsicherheiten ärztlichen Rat einzuholen, so die Paar- und Sexualtherapeutin aus Hamburg. „Die beste Verhütung ist die, mit der man sich wohlfühlt und die zu den eigenen Bedürfnissen passt.“

Kondom: Der Klassiker und häufigstes Verhütungsmittel in Deutschland

Laut BZgA-Studie benutzen zwei Drittel der 18- bis 25-Jährigen ein Kondom. „Wir stellen seit einigen Jahren fest, dass junge Menschen besser aufgeklärt sind und ihnen die Kommunikation und Interaktion, die dieses Verhütungsmittel erfordert, leichter fällt“, sagt Spitzner.

Vor- und Nachteile der Verhütung mit Kondom

Kondome schützen nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Wichtig ist aber auch, dass das Kondom richtig aufgezogen wird. Verkehrt herum oder mit Luft an der Spitze kann es schnell reißen, abrutschen oder stecken bleiben. Manche Menschen reagieren auch allergisch auf Latex.

Wie gut wirksam ist das Kondom als Verhütungsmittel?

Wenn ein Kondom perfekt aufgezogen wird, liegt der Pearl-Index bei etwa 2. Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen in einem Jahr trotz Verhütung schwanger werden. Fürs Kondom heißt das: 2 von 100 Frauen werden pro Jahr ungeplant schwanger. In der Praxis passiert das aber häufiger, weil Kondome nicht immer fehlerfrei benutzt werden – dann sind es bis zu 12 von 100 Frauen. Dennoch betont Sexualtherapeutin Mirjam Spitzner: „Das Kondom ist unschlagbar, wenn es um den Schutz vor Geschlechtskrankheiten sowie HIV/Aids geht! Deswegen ist es die beste Verhütung für alle, die nicht in einer festen Beziehung sind.“

Pille: Hormone auf Rezept

Knapp die Hälfte der jungen Frauen nimmt die Pille. Sie wird in der Regel drei Wochen lang täglich eingenommen. Danach folgt eine einwöchige Pillenpause. Je nach Präparat kann sie auch durchgehend genommen werden, sodass keine Periode auftritt, was bei bestimmten Erkrankungen wie z. B. Endometriose empfohlen wird.

Vor- und Nachteile der Verhütung mit der Pille

Die Pille wirkt sehr gut, wenn man sie regelmäßig nimmt – das erfordert eine gewisse Disziplin. Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und sexuelle Unlust sind möglich.

Wie wirksam ist die Pille?

Bei regelmäßiger Einnahme der Pille werden 3 bis 10 von 1000 Frauen innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger. „Viele Frauen schätzen die Kontrolle, die ihnen die Pille bietet. Wegen hormoneller Nebenwirkungen wird sie aber zunehmend kritisch gesehen und vor allem junge Frauen entscheiden sich öfter bewusst dagegen“, beobachtet die Sexualtherapeutin.

Hormonspirale: die langfristige Lösung

Das T-förmige Kunststoffstäbchen gibt Hormone ab und bleibt bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter. Rund fünf Prozent der Befragten nutzen laut BZgA-Studie diese Methode.

Vor- und Nachteile der Verhütung mit der Hormonspirale

Die Hormonspirale bietet langfristigen Schutz ohne tägliches Nachdenken. Bei einigen Frauen lassen die Menstruationsbeschwerden nach. Die Spirale muss von der Frauenärztin oder vom Frauenarzt eingesetzt werden. Es können Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Gewichtsveränderungen auftreten. Veränderungen der Libido und Akne sind möglich.

Wie sicher verhindert die Spirale eine Schwangerschaft?

Mit der Spirale werden circa 1 bis 3 von 1000 Frauen innerhalb eines Jahres versehentlich schwanger. Aus Spitzners Erfahrung eignet sich die Hormonspirale vor allem für Frauen, die längerfristig verhüten wollen, zum Beispiel, wenn in absehbarer Zeit kein Kinderwunsch besteht.

Kupferspirale: hormonfrei, aber wirksam

Die Kupferspirale ist ähnlich T-förmig wie die Hormonspirale, gibt aber statt Hormonen Kupferionen ab. Sie wirkt bis zu zehn Jahre. In der BZgA-Studie nutzten etwa drei Prozent der Befragten diese und ähnliche Methoden wie den Verhütungsball oder die Verhütungskette.

Vor- und Nachteile der Verhütung mit der Kupferspirale

Die Kupferspirale bietet einen hormonfreien, langfristigen und sehr zuverlässigen Schutz, der sich jederzeit durch das Herausnehmen der Spirale wieder aufheben lässt. Allerdings kann das Einsetzen schmerzhaft sein, die Monatsblutung stärker ausfallen und es besteht kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Wie gut wirksam ist die Kupferspirale?

Die Kupferspirale bietet mit einem Pearl-Index von 0,6 bis 0,8 einen sehr hohen Schutz vor einer Schwangerschaft. Das bedeutet, dass pro Jahr nur etwa 3 bis 8 von 1000 Frauen ungewollt schwanger werden. Sexualtherapeutin Spitzner empfiehlt die Kupferspirale insbesondere Frauen, die auf Hormone verzichten und langfristig verhüten wollen.

Zyklus-Apps: Technik trifft Verhütung

Mit zahlreichen Apps für das Smartphone lässt sich der Menstruationszyklus tracken und die fruchtbaren Tage anzeigen. Drei Prozent der Befragten nutzen Zyklus-Apps.

Vor- und Nachteile der Verhütung mit Zyklus-Apps

Mit Apps ist eine hormonfreie Verhütung möglich, zudem funktionieren sie meist sehr intuitiv. Viele Frauen lernen so ihren Körper besser kennen. Die Methode erfordert jedoch Disziplin und ist bei unregelmäßigem Zyklus nicht geeignet.

Wie sicher verhindern die Apps eine Schwangerschaft?

Je nach App und Methode kann die Sicherheit stark schwanken. „Gerade für junge Menschen, die zum ersten Mal oder noch nicht so lange verhüten, sind Zyklus-Apps aus meiner Sicht nicht geeignet. Sie setzen voraus, dass man seinen Körper gut kennt und Veränderungen bewusst wahrnimmt“, sagt Spitzner.

Verhütungsmittel für den Mann: Von Vasektomie bis Hodenbad

Bislang gibt es nur zwei etablierte Verhütungsmethoden für Männer: das Kondom und die Vasektomie. Doch die Forschung arbeitet an Alternativen: hormonfreie Präparate, Spritzen, thermische Methoden oder neue Ansätze wie das sogenannte Vasalgel. Doch noch ist keine neue Methode marktreif.

Vasektomie: Dauerhafte Lösung für Männer mit abgeschlossener Familienplanung

Bei der Vasektomie werden die Samenleiter durchtrennt und verschlossen, sodass keine Samenzellen mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. Der Eingriff erfolgt ambulant unter lokaler Betäubung und gilt als sehr sicher. Wichtig ist zudem die Nachuntersuchung. Erst durch ein Spermiogramm kann der Erfolg des Eingriffs dargestellt werden. Laut Urologischer Stiftung Gesundheit liegt der Pearl-Index bei 0,1.

Die Fruchtbarkeit kann in Einzelfällen operativ wiederhergestellt werden, garantiert ist das aber nicht. Für Paare, die sicher keine Kinder mehr wollen, ist die Vasektomie eine einfache, risikoarme und dauerhafte Lösung. Die Kosten übernehmen Krankenkassen in der Regel nicht.

„Die Pille für den Mann“: Erste vielversprechende Studien

Seit Jahren arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einer hormonfreien Verhütungspille für Männer. Anders als frühere hormonelle Ansätze, von denen manche wegen Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen oder Libidoverlust gestoppt wurden, nutzen neue Präparate Moleküle, die die Beweglichkeit der Spermien vorübergehend hemmen. Erste Studien an Tieren und Menschen zeigen vielversprechende Ergebnisse, doch bis zur Marktreife dürfte es noch einige Jahre dauern.

Vasalgel: ein Gel, das die Samenleiter blockiert

Das Vasalgel ist ein Gel, das in die Samenleiter injiziert wird und diese blockiert. Der Effekt soll sich durch eine zweite Injektion wieder aufheben lassen. Erste klinische Tests laufen unter anderem in den USA und in Indien. Vasalgel könnte eine hormonfreie, langfristige und umkehrbare Alternative zur Vasektomie werden – das wäre ein echter Durchbruch in Sachen Verhütung. Zugelassen ist es bisher jedoch noch nicht.

Thermische Verhütung und Hormonspritze: Noch nicht zugelassen

Die thermische Verhütung, etwa mit speziellen Hodenbädern oder Slips, die die Temperatur leicht erhöhen und so die Spermienproduktion hemmen, ist medizinisch nicht zugelassen. Langzeitfolgen sind laut Urologischer Stiftung Gesundheit noch nicht ausreichend erforscht. Auch eine Studie zu Hormonspritzen bei Männern wurde wegen Nebenwirkungen gestoppt. Neue, besser verträgliche Kombinationen werden weiterhin getestet, eine Markteinführung ist aber noch nicht in Sicht.

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Schutz vor Geschlechtskrankheiten

Wichtig: Die meisten Verhütungsmethoden schützen nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Nur Kondome und Femidome schützen wirksam vor Chlamydien, Gonorrhö, HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Bei wechselnden Partnern sollte immer ein Kondom oder Femidom genutzt werden, auch beim Einsatz weiterer Verhütungsmittel.

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