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Ernährungswissen

Bunt ist gut

Sekundäre Pflanzenstoffe sind in aller Munde. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn zahlreiche Lebensmittel enthalten dieses Gut. Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff?

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Der Schutz vor Fressfeinden, das Anlocken von Insekten zur Bestäubung, die Wachstumsregulation oder die Produktion von Farben sind nur einige der Funktionen, die sekundäre Pflanzenstoffe in der Natur innehaben. Sie gelten als bioaktive Substanzen. So vielfältig die Aufgaben sind, so groß ist auch die Anzahl der Varianten: Etwa 100.000 sind bekannt. Seit einigen Jahrzehnten befasst sich die Wissenschaft mit diesem Naturstoff in einem anderen Zusammenhang. Sie geht der Frage nach, welchen gesundheitsfördernden Einfluss bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe in der Ernährung haben. Antientzündliche Wirkung, das Senken von Blutdruck sowie Cholesterin oder das Stärken des Immunsystems sollen durch den Genuss der pflanzlichen Sekundärstoffe möglich sein. Die Lieferanten sind in erster Linie Obst und Gemüse. Aber auch Tee, Kaffee, dunkler Kakao, Nüsse, Getreide oder Rotwein enthalten pflanzliche Sekundärstoffe.

Carotinoide und Flavonoide

Die Liste dieser sekundären Stoffe in den Lebensmitteln ist lang: Carotinoide, Phytosterine, Saponine, Polyphenole, Phytoöstrogene, Protease-Inhibitoren, Glukosinolate und Monoterpene sind die Hauptgruppen, die teilweise Unterkategorien haben. So sind etwa 700 verschiedene Carotinoide bekannt, von denen der menschliche Organismus aber nur 40 bis 50 aufnimmt und verarbeitet. Sauerstofffreie und sauerstoffreiche Carotinoide sorgen für die intensiven Farben von Paprikaschoten, Orangen, Karotten oder dem Grün von Spinat oder Grünkohl. Das Bundeszentrum für Ernährung stellt fest: „Carotinoide beispielsweise zählen zu den Antioxydantien. Das heißt, sie fangen freie Radikale ab. Sind freie Radikale im Übermaß vorhanden, können sie Zellen und das Erbgut schädigen. Durch ihre antioxidative Wirkung schützen Carotinoide vermutlich vor Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gleichzeitig hemmen diese natürlichen Farbstoffe Entzündungen und stärken offenbar das Immunsystem.“

Eine Vielzahl positiver Eigenschaften wird ebenfalls den Flavonoiden nachgesagt, die zu der Gruppe der Polyphenole zählen. Sie sind in pflanzlichen Lebensmitteln zu finden, die eine rote, blaue, hellgelbe und violette Farbe aufweisen. Hierzu gehören unter anderem schwarzer und grüner Tee, Äpfel, Birnen, Beeren, Auberginen oder Zwiebeln. Das Bundeszentrum für Ernährung spricht ihnen positive Effekte für die Blutgefäße zu. So sollen sie unter anderem den Blutdruck senken oder das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren.

Täglich Obst und Gemüse

Auf die Effekte der sekundären Pflanzenstoffe weist die Verbraucherzentrale hin: „Tatsächlich gibt es zahlreiche Ergebnisse aus Beobachtungsstudien, die einen gesundheitsfördernden Einfluss von sekundären Pflanzenstoffen auf das Risiko für die Entstehung verschiedener Krankheiten belegen.“ Die Wissenschaft arbeitet weiter an der Erforschung dieser Effekte. Grundsätzlich ist der Verzehr von Lebensmitteln, die reich an pflanzlichen Sekundarstoffen sind, positiv einzuschätzen. Schließlich sind diese vornehmlich in Obst und Gemüse, deren regelmäßiger Konsum zu einem gesunden Ernährungsstil führt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag.

Übersicht über sekundäre Pflanzenstoffe und ihre möglichen gesundheitsfördernden Wirkungen

Se­kun­där­e Pflan­zen­stof­fe z. B. ent­hal­ten in ... Be­deu­tung für die Pflan­ze Mö­glich­e Ge­sund­heits­ef­fek­te (vor­wie­gend Tier- und in-vi­tro-Ver­such­e) Ein­fluss auf die Ge­sund­heit beim Men­schen (e­pi­de­mi­o­lo­gisch­e Stu­di­en)
Flavonoide Äp­feln, Bir­nen, Trau­ben, Kir­schen, Pflau­men, Beer­en­obst, Zwie­beln, Grün­kohl, Au­ber­gin­en, So­ja, schwarz­em und grün­em Tee u.v.m. Farb­stof­fe (rot, hell­gelb, blau, vi­o­lett)
  • an­ti­ox­i­da­tiv
  • an­ti­throm­bo­tisch
  • blut­druck­sen­kend
  • ent­zün­dungs­hem­mend
  • im­mun­mo­dul­ier­end
  • an­ti­bi­o­tisch
  • neu­ro­lo­gisch­e Wir­kun­gen (pos. Ein­fluss­ auf kog­ni­ti­ve Fäh­ig­kei­ten)
As­soz­i­a­tion mit ver­ring­er­tem Ri­si­ko für
  • be­stimm­te Krebs­krank­hei­ten und
  • Herz-Kreis­lauf-Krank­heit­en
Phe­nol­säur­en Kaf­fee, Tee, Voll­korn­pro­duk­ten, Weiß­wein, Nüs­sen Ab­wehr­stof­fe ge­gen Fraß­fein­de
  • an­ti­ox­i­da­tiv
As­soz­i­a­tion mit ver­ring­er­tem Ri­si­ko für
  • be­stimm­te Krebs­kran­khei­ten
Car­o­tin­o­i­de Kar­ot­ten, To­ma­ten, Pap­ri­ka, grün­em Ge­mü­se (Spi­nat, Grünk­ohl), Grape­fruit, A­pri­ko­sen, Me­lo­nen, Kür­bis Farb­stof­fe (gelb, o­ran­ge, rot)
  • an­ti­ox­i­da­tiv
  • im­mun­mo­du­lier­end
  • ent­zün­dungs­hem­mend
As­soz­i­a­tion mit ver­ring­er­tem Ri­si­ko für
  • Herz-Kreis­lauf-Krank­heit­en und
  • al­ters­be­ding­te Au­gen­krank­heit­en
  • in Dis­kus­sion: Ri­si­ko­sen­kung hin­sicht­lich Krebs, me­ta­bol­i­sches Syn­drom, Ge­fäß­ver­än­der­ung­en
Phy­to­ös­tro­gen­e Ge­trei­de und Hül­sen­früch­ten (z. B. Soja­boh­nen), Lein­sam­en Pflanz­en­hor­mo­ne, die ähn­lich wie das weib­lich­e Sex­u­al­hor­mon Ös­tro­gen auf­ge­baut sind
  • an­ti­ox­i­da­tiv
  • im­mun­mo­du­lier­end
  • ver­bes­sern Blut­ge­fäß­funk­tion und Blut­druck
  • in Dis­kus­sion: pro­tek­ti­ve Wir­kun­gen hin­sicht­lich Krebs-, Herz-Kreis­lauf-Krank­heit­en, Kno­chen­dich­te, kli­ma­ter­isch­e Be­schwer­den
Glu­co­si­no­la­te al­len Kohl­art­en, Ret­tich, Ra­dies­chen, Kres­se, Senf Ab­wehr­stof­fe ge­gen Fraß­fein­de o­der Pa­tho­gen­e
  • an­ti­ox­i­da­tiv
  • im­mun­mo­dul­ier­end
As­soz­i­a­tion mit ver­ring­er­tem Ri­si­ko für
  • be­stim­mte Krebs­krank­heit­en
Sul­fi­de Zwie­beln, Lauch, Kno­blauch, Schnitt­lauch Duft- und A­ro­ma­stof­fe
  • an­ti­bi­o­tisch
  • an­ti­ox­i­da­tiv
  • an­ti­throm­bo­tisch
  • blut­druck­sen­kend
  • chol­es­ter­ol­sen­kend
As­soz­i­a­tion mit ver­ring­er­tem Ri­si­ko für
  • be­stimm­te Krebs­krank­heit­en
Mo­no­ter­pen­e Min­ze, Zi­tro­nen, Küm­mel Duft- und A­ro­ma­stof­fe
  • cho­les­ter­ol­sen­kend
  • an­ti­kan­zer­o­gen
 
Sa­po­ni­ne Hül­sen­früch­ten, So­ja, Spar­gel, Ha­fer, La­krit­ze Bit­te­rstof­fe (in wäss­ri­ger Lö­sung: schaum­bil­den­de Wir­kung)
  • an­ti­kan­zer­o­gen
  • an­ti­bi­o­tisch (an­ti­fun­gal)
 
Phy­tos­ter­ol­e Nüs­sen und Pflanz­en­sa­men (Son­nen­blu­men­kern­en, Ses­am, So­ja), Hül­sen­früch­ten Mem­bran­baus­toff, Pflan­zen­hor­mon­e, die ähn­lich wie Chol­es­ter­ol auf­ge­baut sind
  • chol­es­ter­ol­sen­kend
  • sen­ken die Chol­est­er­ol­konz­en­tra­tion im Blut
  • in der Dis­kus­ss­ion: Zu­sam­men­hang mit Herz-Kreis­lauf-Krank­heit­en

 (Quelle: Watzl und Rechkemmer 2004, Watzl 2008, Watzl 2012)

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