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Allergien

Wenn das Immunsystem falsch reagiert

Allergien stellen gerade in Industrieländern ein stark verbreitetes und zunehmendes Phänomen dar. Mindestens jeder vierte Deutsche ist im Laufe seines Lebens betroffen. Doch was genau ist eine Allergie, wie entsteht sie und welche Formen gibt es? Hier finden Sie die Antworten.

Autor: Patrick Sporleder

Lesezeit: 2 Minuten / veröffentlicht:

Allergien sind Fehlfunktionen des Immunsystems. Normalerweise schützt uns dieses vor Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren. Bei einer Allergie reagiert unser Körper jedoch überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe, so als würden sie eine echte Bedrohung darstellen. Die Immunreaktionen fallen je nach Allergie unterschiedlich aus: Von Niesen, Husten, laufender Nase, tränenden Augen, juckender Haut bis hin zu Magenschmerzen, Kopfschmerzen oder Verschlechterung der Atmung. Da unsere Haut und Schleimhäute die ersten Berührungspunkte für Fremdstoffe aus der Umwelt bilden, sind sie am häufigsten von allergischen Reaktionen betroffen.

Die allergieauslösenden Stoffe werden als Allergene bezeichnet. Sie können sowohl einen natürlichen als auch einen künstlichen Ursprung haben. Zumeist sind es Eiweißverbindungen. Zum Beispiel kann es sich um bestimmte Nahrungsbestandteile handeln, um Blütenpollen, Hausstaub oder Inhaltsstoffe von Medikamenten.

Welche Prozesse im Körper ablaufen

Was genau im Körper geschieht, unterscheidet sich je nach Allergietyp. Jeder Allergie geht zunächst die Sensibilisierung voraus. Dringen Allergene zum ersten Mal in die Schleimhaut ein, bezeichnet man dies als Erstkontakt. In den meisten Fällen bildet das Immunsystem daraufhin Antikörper, zum Beispiel die Immunglobuline E (IgE) im Fall von Typ I. Bei diesem weit verbreiteten Typ kommen auch die Mastzellen ins Spiel. Sie übernehmen bei der Abwehr von Krankheitserregern eine wichtige Rolle. Die Antikörper werden an Rezeptoren der Mastzellen gebunden, die dadurch gegen das Allergen sensibilisiert sind.

Bei erneutem Kontakt docken die Eiweißverbindungen der Allergene an die Antikörper der Mastzellen an. Es folgt die Abwehrreaktion: Die Mastzelle schüttet das in ihr gespeicherte Histamin und andere Entzündungsbotenstoffe aus. Diese bewirken dann die allergischen Symptome wie Anschwellen der Haut, Juckreiz, Quaddelbildung oder Verengung der Atemwege. Allerdings muss eine erstmalige Abwehrreaktion nicht unbedingt schon beim zweiten Kontakt mit dem Allergen stattfinden. Die Sensibilisierungsphase kann sich über Jahre erstrecken und führt nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Allergie.

Allergietypen

Je nach Art der Reaktion werden vier Typen unterschieden. Typ I ist der mit Abstand häufigste Reaktionstyp. Symptome treten hier bereits auf, kurz nachdem der Körper Kontakt mit dem Allergen hatte. Darunter finden sich zum Beispiel die Hausstauballergie oder der weit verbreitete Heuschnupfen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Merkmale der einzelnen Typen zusammen:

Bezeichnung (Typ) Art bzw. Ablauf der Reaktion

Dauer vom Kontakt zum Auftreten von Symptomen

Beispiele
Typ 1
Soforttyp
Vermittlung durch IgE-Antikörper;
Freisetzung von Botenstoffen wie Histamin
wenige Sekunden bis Minuten
(evtl. 2. Reaktion nach 4-6 Stunden)
allergische Rhinitis/ Konjunktivitis
allergisches Asthma
Nesselsucht
Insektengiftallergie
Hausstauballergie
Pollenallergie
anaphylaktischer Schock

Typ II
zytotoxischer Typ

Bildung von Komplexen aus Antigenen und Antikörpern;
Zerstörung körpereigener Zellen
6 bis 12 Stunden Transfusionsreaktionen
Arzneimittelallergien
Autoimmunerkrankungen
Typ III
Immunkomplextyp
Bildung von Antigen-Antikörper-Komplexen;
Freisetzung Gewebe
schädigender Substanzen
6 bis 12 Stunden allergische Gefäßentzündung (Vaskulitis)
Serumkrankheit
exogen-allergische Alveolitis
(z. B. Farmerlunge)
Typ IV
Spättyp
Vermittlung durch Zellen (T-Lymphozyten) 12 bis 72 Stunden allergisches Kontaktekzem Arzneimittel-Reaktionen
Abstoßungsreaktionen von
Transplantaten

Allergien sind als chronische Erkrankungen ernst zu nehmen. Die Symptome können zu einem anaphylaktischen Schock führen und lebensbedrohlich werden. Daher sollte man sie nicht unterschätzen.