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Stress & Balance

Plädoyer für mehr Stille

Viele Menschen empfinden ihren Alltag als hektisch und wünschen sich mehr Momente der Ruhe. Auch eine nur leise Geräuschkulisse kann sich negativ auf unser Wohlbefinden auswirken. Deshalb tut es gut, den Geräuschpegel von Zeit zu Zeit ganz herunterzufahren oder sich gezielt wohltuenden Klängen auszusetzen.

Autor: Patrick Sporleder

Lesezeit: 3 Minuten / veröffentlicht:

Zum Frühstück läuft die Morningshow und man scrollt am Handy durch die sozialen Medien. Im Auto startet der Motor, während das Radio wieder zu dudeln beginnt. Auf dem Flur neben dem Büro unterhalten sich Kollegen, Telefonklingeln, Wasserkocher und Kopierer sind fast permanent zu hören. Am Abend läuft der Fernseher leise im Hintergrund, aber die Aufmerksamkeit liegt eher beim Video auf dem Smartphone. Längst haben wir uns nicht nur an eine ständige mediale Begleitung, sondern häufig auch an eine permanente akustische Untermalung unseres Alltags gewöhnt. Mit vollem Bewusstsein nehmen wir die Geräuschkulisse um uns herum eher selten wahr.

Auch „leiser Lärm“ ist schädlich

Dabei können nicht nur starke Lärmquellen wie Verkehr oder Baustellen Stress auslösen und unserer Gesundheit schaden. Auch leisere Geräusche und Geräuschkulissen beeinflussen unsere Psyche, auch auf ungünstige Weise. Selbst wenn wir Geräusche verschiedener Art nicht immer bewusst wahrnehmen, wirken sie fortlaufend unbewusst auf uns ein. Kontinuierlich auftretende oder sich häufig wiederholende akustische Reize können auch in geringer Lautstärke ablenken, die Konzentration mindern oder Stress verstärken bzw. verursachen. Jeder, der schon einmal unter großer Anspannung gestanden hat, weiß, dass ein harmloser Telefonanruf ein erheblicher Stressfaktor sein kann. Auch wenn viele ihr Smartphone auf lautlos gestellt haben, bleibt der ablenkende Aspekt bestehen.

„Inseln der Stille“ schaffen

Zu Hause haben wir direkten Einfluss darauf, welche Geräusche auf uns einwirken. Da wir Geräusche gerade im Berufsalltag oft nicht einfach abschalten können, kann es umso sinnvoller sein, sich gerade im Privatleben auf „Inseln der Stille“ zurückzuziehen. Diese Metapher muss dabei nicht nur in einem akustischen Sinn verstanden werden. Sie kann auch bedeuten, sich statt Multitasking-Aufgaben auf eine bestimmte, kontemplative Tätigkeit zu beschränken.

Genauso wie es Zeiten für „Dudelfunk“ und andere mediale Berieselung gibt, sollten auch Zeiten eingeplant werden, in denen zum Beispiel ein Buch gelesen wird. Es kann helfen, feste Zeiten festzulegen, in denen das Smartphone und andere elektronische Geräte ausgeschaltet bleiben, zum Beispiel morgens während des Frühstücks, abends nach der Arbeit oder durchgehend am Wochenende.

Sich eine Insel der Stille zu schaffen kann auch bedeuten, dass wir Geräusche auf uns einwirken lassen, die nachweislich zur Entspannung und Erholung beitragen. Dazu gehören Klänge wie Vogelzwitschern oder Wasserplätschern. Zu diesem Schluss kommt eine Zusammenfassung von 36 Studien zum Einfluss von Geräuschen aus der Natur auf das Wohlbefinden. Vogelstimmen reduzieren demnach Stress und Ärger, während sich Wassergeräusche positiv auf Blutdruck, Schmerzempfinden und Emotionen auswirken.