Erste Hilfe bei Ersticken: So reagieren Sie bei Erstickungsanfällen
Erstickungsanfälle werden durch verschiedene Ursachen ausgelöst. Welche Symptome auf drohendes Ersticken hinweisen und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen dann Leben retten können.
Qualitätssicherung:Philipp Grätzel von Grätz, Arzt und Medizinjournalist
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Das wichtigste in Kürze
Ursachen für Erstickungsanfälle: Blockierte Atemwege durch Fremdkörper, allergische Reaktionen, Erkrankungen oder äußere Einwirkungen können einen lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel verursachen.
Symptome eines drohenden Erstickens: unter anderem Husten, Keuchen, Atemnot, bläuliche Hautverfärbungen, Bewusstseinsverlust – bei solchen Anzeichen ist sofortige Erste Hilfe erforderlich.
Maßnahmen bei einem Erstickungsanfall:Husten lassen, Rückenstöße, Heimlich-Griff, bei Bewusstlosigkeit Wiederbelebung beginnen und sofort den Rettungsdienst rufen.
Erste Hilfe bei allergisch bedingtem Ersticken (Insektenstiche):Notruf wählen, Hals kühlen, Adrenalin-Autoinjektor (EpiPen) einsetzen, falls vorhanden. Bei Atemstillstand Wiederbelebung starten.
Erste Hilfe bei Ertrinken: Notruf wählen, Person aus dem Wasser retten (Rettungsring o.ä. nutzen, falls vorhanden), Atmung prüfen und Wiederbelebung starten, falls erforderlich. Selbstschutz beachten, um die eigene Sicherheit nicht zu gefährden!
Welche Ursachen haben Erstickungsanfälle?
Erstickungsanfälle entstehen, wenn die Atemwege blockiert sind und der Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Häufige Ursachen sind:
Allergische Reaktionen, zum Beispiel bei Bienen- oder Wespenstichen oder Nahrungsmittelallergien
Erkrankungen mit Atemwegsbeteiligung (Asthma, auch epileptische Anfälle)
Rauch, Gase oder Chemikalien, die die Atemwege reizen
Verlegung durch die Zunge bei bewusstlosen Personen
Äußere Gewalteinwirkung
Was sind die Symptome bei drohendem Ersticken?
Die Symptome eines drohenden Erstickens können sehr plötzlich auftreten und sind meist deutlich erkennbar. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
Husten oder Keuchen
Pfeifgeräusche beim Atmen
Bläuliche Verfärbung der Haut oder Lippen
Panik und Atemnot
Unfähigkeit zu sprechen oder zu rufen
Schwäche oder Bewusstseinsverlust
Wenn diese Symptome auftreten, ist schnelles Handeln gefragt, um den Erstickungsanfall zu stoppen und die Atemwege wieder freizubekommen.
Was ist bei einem Erstickungsanfall bei Erwachsenen zu tun?
Erste Hilfe bei Ersticken
Wenn jemand an einem Erstickungsanfall leidet, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und sofort Erste Hilfe zu leisten:
Als erster Schritt den Betroffenen fragen, ob er etwas verschluckt hat, und ihn zum Husten auffordern.
Wenn die Person nicht sprechen und nicht husten kann, bis zu fünf Mal zwischen die nach vorne gebeugten Schulterblätter schlagen, um den Fremdkörper zu entfernen.
Droht die betroffene Person zu ersticken, den Heimlich-Griff anwenden.
Starten Sie mit der Wiederbelebung, wenn die Person nicht mehr atmet.
Der Heimlich-Griff
Das Heimlich-Manöver oder der Heimlich-Griff (auch: Heimlich-Handgriff) ist eine effektive Methode, um blockierte Atemwege bei einem Erstickungsanfall zu befreien. So führen Sie das Manöver durch:
Stellen Sie sich hinter den Betroffenen und legen Sie Ihre Arme um dessen Taille.
Bilden Sie mit einer Hand eine Faust und platzieren Sie diese oberhalb des Bauchnabels.
Umfassen Sie die Faust mit der anderen Hand und üben Sie einen schnellen, kräftigen Druckstoß nach innen und oben aus.
Wiederholen Sie den Griff bis zu fünf Mal, bis der Fremdkörper entfernt wird oder der Betroffene wieder atmen kann. Wechseln sie ab mit Schlägen auf den oberen Bereich des nach vorn gebeugten Rückens.
Das Heimlich-Manöver sollte nur bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern über einem Jahr angewendet werden, da es bei Säuglingen zu schweren Verletzungen führen kann.
Was tun bei Insektenstichen?
Insektenstiche können ebenfalls zu Erstickungsanfällen führen, besonders bei Personen mit einer Allergie auf das Insektengift. Auch bei einem Stich im Mund- und Rachenbereich können die Schleimhäute oder auch die Zunge so anschwellen, dass Erstickungsgefahr droht. Dann sind unverzügliche Erste-Hilfe-Maßnahmen notwendig:
Rufen Sie sofort den Rettungsdienst.
Wenn vorhanden, verwenden Sie bei Menschen mit Allergie einen Adrenalin-Autoinjektor (EpiPen).
Kühlen Sie den Hals mit kalten Kompressen, um die Schwellung zu reduzieren, und lassen Sie die betroffene Person etwas Kaltes lutschen, wenn sie schlucken kann.
Starten Sie mit der Wiederbelebung, wenn die Person nicht mehr atmet.
Wenn ein Mensch zu ertrinken droht, ist ebenfalls schnelles Handeln gefragt, da der Sauerstoffmangel innerhalb von Minuten zu irreversiblen Schäden führen kann:
Rufen Sie sofort den Rettungsdienst bzw., sofern vorhanden, die Wasserwacht.
Falls es für Sie selbst sicher ist, ziehen Sie die Person aus dem Wasser. Alternativ werfen sie ihr, wenn vorhanden, einen Rettungsring, einen anderen Schwimmkörper oder auch ein Seil zu.
Wenn Sie selbst retten, nutzen Sie, wenn vorhanden, eine Luftmatratze oder ein Surfbrett oder Ähnliches. Sofern Sie sich entscheiden, zu schwimmen, bringen Sie sich nicht selbst in Gefahr. Schwimmen Sie die ertrinkende Person immer von hinten an und möglichst erst dann, wenn sie sich nicht mehr an Ihnen festklammern kann. Stellen Sie beim an Land schwimmen sicher, dass der Kopf über Wasser bleibt. Das geht am besten mit beiden Händen (Kopfschleppgriff oder Achselschleppgriff), der Retter oder die Retterin schwimmt dann auf dem Rücken.
Starten Sie mit der Wiederbelebung, wenn die Person nicht mehr atmet.
Was ist bei einem Erstickungsanfall bei Kindern zu tun?
Säuglinge und Kleinkinder haben ein erhöhtes Risiko, sich zu verschlucken und zu ersticken. Besonders gefährlich sind kleine Gegenstände wie Spielzeugteile, Münzen oder Knöpfe, die die Atemwege blockieren können. Auch bestimmte Nahrungsmittel wie Nüsse, ganze Trauben oder rohes Gemüse können die Atmung behindern.
Erste-Hilfe-Maßnahmen bei drohendem Ersticken:
Wenn das Kind husten kann, ermuntern Sie Ihr Kind bei vornübergebeugtem Oberkörper weiter zu husten.
Wenn das Kind keine Luft mehr bekommt oder nicht produktiv hustet, rufen Sie den Rettungsdienst und prüfen Sie die Bewusstseinslage des Kindes.
Ist das Kind noch bei Bewusstsein, greifen Sie zu weiteren Maßnahmen.
Bei Kindern unter einem Jahr:
Legen Sie es mit dem Bauch nach unten auf Ihren Unterarm, den Kopf tiefer als den Rumpf.
Geben Sie bis zu fünf kräftige Schläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter.
Überprüfen Sie nach jedem Schlag, ob der Fremdkörper entfernt wurde.
Gibt es keine Besserung, drehen Sie den Säugling auf Ihrem Unterarm auf den Rücken, mit dem Kopf nach unten. Drücken Sie mit den Fingern der anderen Hand fünf Mal in die Mitte des Brustbeines, wie bei der Herzdruckmassage.
Bei Kindern über einem Jahr:
Legen Sie das Kind seitlich über Ihr Knie, den Kopf nach unten geneigt. Schlagen Sie ihm bis zu fünf Mal mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter.
Bleibt der Fremdkörper stecken, stehen oder knien Sie hinter Ihrem Kind und beugen Sie seinen Oberkörper nach vorne.
Führen Sie bis zu fünf Mal den Heimlich-Handgriff durch: Platzieren Sie die Faust zwischen Bauchnabel und Brustbein, umfassen Sie die Faust mit der anderen Hand und ziehen Sie sie kräftig nach innen und oben.
Nach Rückenschlägen, Thoraxkompressionen oder dem Heimlich-Handgriff sollte das Kind ärztlich untersucht werden, um mögliche innere Verletzungen auszuschließen.
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