Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Erfrierungen und Unterkühlungen

Kälte kann schnell zu Unterkühlungen oder sogar Erfrierungen führen – beides potenziell lebensbedrohliche Szenarien. Was tun, wenn man sich als Helfer/-in in einer solchen Situation befindet? Wir informieren Sie über die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Erfrierungen und Unterkühlungen.

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Was ist der Unterschied zwischen einer Erfrierung und einer Unterkühlung?

Erfrierungen betreffen einzelne Körperregionen oder Gliedmaßen, wobei das betroffene Gewebe abstirbt. Eine Unterkühlung dagegen umfasst den ganzen Körper. Diese liegt vor, wenn die Körpertemperatur unter 35 Grad sinkt.

Erfrierungen

Eine Erfrierung (Congelatio) beschreibt einen Gewebeschaden aufgrund von Kälte und betrifft häufig Gliedmaßen oder exponierte Stellen wie Ohren oder Nase.

Symptome: Woran erkenne ich eine Erfrierung?

Körperteile nehmen zunächst eine bläulich-rote Farbe an, später dann weiß-gelb oder weiß-grau. Sie sind zum Anfang kalt und weich, später dann hart. Der/die Betroffene hat in dieser Phase kein Gefühl mehr im entsprechenden Körperteil. Zudem können sich Blasen oder Schwellungen bilden.

Akute Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Erfrierungen – was tun?

  • Notruf 112 wählen
  • Wichtig: Erfrierungen gehen meist mit Unterkühlung einher – Maßnahmen gegen Unterkühlung haben Vorrang!
  • Erfrorene Körperregionen und Blasen, wenn möglich, mit sterilem Material abdecken
  • Eng anliegende Kleidung öffnen, um die Durchblutung zu fördern
  • Eigene Körperwärme nutzen, um den/die Betroffene/-n zu wärmen, und/oder in warme Decken/Rettungsdecke wickeln
  • Der/die Betroffene soll versuchen, die Gliedmaßen selbstständig (!) zu bewegen
  • Warme, zuckerhaltige Getränke verabreichen

Was ist bei Erfrierungen zu unterlassen?

  • Erfrorene Körperstellen nicht bewegen
  • Kein heißes Wasser und keine direkte Hitze verwenden – Verbrennungsgefahr (siehe auch die Übersicht der Verbrennungsgrade)
  • Blasen nicht öffnen
  • Betroffene Stellen nicht massieren/rubbeln, kein Abreiben mit Schnee
  • Hart gefrorene Körperteile nicht aufwärmen
  • Kein Alkohol, kein Rauchen

Unterkühlung

Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) liegt die Körpertemperatur unter 35 °C. Dabei gibt es insgesamt vier verschiedene Stadien einer Unterkühlung, die sich anhand ihrer Symptome unterscheiden lassen.

Symptome: Woran erkenne ich eine Unterkühlung und die verschiedenen Stadien?

  • Stadium I (sogenannte Exzitation): u. a. Zittern am ganzen Körper, Zähneklappern, undeutliche Aussprache
  • Stadium II (sog. Adynamie): Der/die Betroffene wirkt ruhig, schwerfällig oder teilnahmslos, flacher Herzschlag
  • Ab Stadium III ist die Person bewusstlos, mit arrhythmischem oder ausbleibendem Herzschlag
  • Ab Stadium IV kann Kammerflimmern auftreten

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Unterkühlungen

  • Notruf 112 wählen.
  • Betroffene/-n in warme Decken/Rettungsdecke hüllen und/oder an warmen Ort bringen. Falls das nicht möglich ist, bspw. draußen: Vor Wind und Kälte des Bodens schützen.
  • Bei Unterkühlung in Stadium II und höher: keine Aufwärmversuche durchführen!
  • Solange der/die Betroffene bei vollem Bewusstsein ist: warme Getränke mit etwas Zucker reichen. Kein Alkohol!
  • Keine aktive Wärme (Reiben, Wärmflasche) zuführen
  • Nasse Kleidung unbedingt ausziehen und durch trockene, wärmende ersetzen
  • Regelmäßig Temperatur, Atmung, Kreislauf und Bewusstsein überprüfen, Betroffene:n beruhigen und trösten. Bei Bewusstlosigkeit Herz-Lungen-Wiederbelebung einleiten.

Wie decke ich eine/-n Betroffene/-n mit einer Rettungsdecke richtig zu?

Falls eine Rettungsdecke vorhanden ist, gehört die silberne Seite nach innen, also zur/zum Betroffenen. Die goldene Seite zeigt nach außen. Generell gilt beim Zudecken:

  • Betroffene/-n an Schulter und Hüfte greifen, zu sich drehen.
  • Dann Decke falten oder rollen und längs nah an den Rücken legen.
  • Betroffene/-n vorsichtig auf den Rücken drehen und dann die Decke unter der/dem Betroffenen zu sich ziehen. Dann zudecken.

Was ist gefährlicher – eine Erfrierung oder eine Unterkühlung?

Eine Unterkühlung kann lebensbedrohlich sein, wenn die Körpertemperatur weiter fällt und nicht ansteigt. Auch deshalb haben die Erste-Hilfe-Maßnahmen einer Unterkühlung Vorrang vor einer Erfrierung!