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Osteoporose

Die nicht wahrgenommene Volkserkrankung

In höherem Alter steigt das Risiko, Knochenbrüche zu erleiden. Häufig wird anschließend eine Osteoporose diagnostiziert. Worum es sich bei dieser Erkrankung handelt, welche Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten sowie Maßnahmen zu Vorbeugung bekannt sind, erläutert Dr. Uwe de Jager, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, im Interview.

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Herr Dr. de Jager, was genau verbirgt sich hinter der medizinischen Bezeichnung „Osteoporose“?

Der Begriff stammt aus der altgriechischen Sprache. Osteo bedeutet Knochen, während porose für den Schwund des Knochens steht. Dabei handelt es sich um eine Verminderung des Kalksalzgehalts im Knochen, was den Knochenabbau zur Folge hat. Die Mikroarchitektur des Knochens verändert sich in diesem Prozess. Beide Faktoren gipfeln in einem steigenden Risiko, Knochenbrüche zu erleiden. Bei jedem Menschen nimmt die Knochenmasse besonders in höherem Alter ab. Bei der Osteoporose nimmt dies jedoch Ausmaße an, sodass sich Frakturen auch ohne einen Sturz ereignen können.

Welche Symptome treten bei dieser Krankheit auf?

Wie bei anderen chronischen Erkrankungen besteht auch bei Osteoporose das Problem, dass diese Krankheit lange Zeit keine Beschwerden verursacht. Der Prozess der Entkalkung des Knochens und der damit verbundene Knochenschwund geht schleichend und schmerzlos vonstatten. Diese Entwicklung geschieht über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Deshalb ist das Symptom in den meisten Fällen das Ereignis, bei dem es zu einem Knochenbruch kommt. Häufig werden erst dann die Knochen hinsichtlich ihrer Dichte geprüft und eine Osteoporose diagnostiziert. Ältere Menschen bekommen Frakturen eher in der Nähe von Gelenken sowie im Beckenknochen, Hüftknochen und am Schenkelhals. Jüngere Frauen bekommen häufiger Wirbelfrakturen.

Welche Ursachen hat Osteoporose und welche Faktoren begünstigen das Erkrankungsrisiko?

Es gibt viele Faktoren, die dazu beitragen können, eine Osteoporose zu entwickeln. Das Alter ist hierbei ein ganz wesentlicher Faktor, denn besonders ältere Menschen (Frauen ab 60 und Männer ab 70 Jahren) sind einem höheren Risiko ausgesetzt. Osteoporose ist durchaus eine nicht wahrgenommene Volkskrankheit. Hierzulande sind ca. 7 bis 8 Millionen Menschen betroffen, im Wesentlichen die über 60-Jährigen. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern beträgt dabei 7:1. Dass deutlich mehr Frauen als Männer an Knochenschwund erkranken, hängt mit der Menopause bei Frauen zusammen. Der Verlust der Fruchtbarkeit der Frau geht mit einem Abfall des Östrogenspiegels einher. Da Östrogen den Knochenaufbau begünstigt, hängt der Hormonabfall mit einem höheren Risiko für Osteoporose zusammen. Das ist außerdem auch der Grund, weshalb Männer im Schnitt 10 Jahre später an Osteoporose erkranken als Frauen. Die in größerer Menge vorhandene Muskel- und Knochenmasse bei Männern spielt in diesem Kontext ebenfalls eine Rolle. Um noch weitere mögliche Ursachen aufzuzählen: Das Knochenbruch-Risiko bei Frauen ab 50 und bei Männern ab 60 Jahren steigt, wenn sie mit Cortison behandelt werden. Bei Frauen ab 60 und bei Männern ab 70 Jahren steigt das Risiko z.B. bei einer rheumatoiden Arthritis, einer Epilepsie, Diabetes mellitus Typ 1, einer Überfunktion der Schilddrüse oder der Einnahme von Medikamenten wie Schlafmittel oder Antidepressiva. Die Liste kann jedoch noch weitergeführt werden, weshalb es ratsam ist, diese Aspekte ab dem 50. Lebensjahr beim Arzt abzuklären, insbesondere nach einer Fraktur.

Durch welche Faktoren kann einer Osteoporose vorgebeugt werden?

Damit kann schon im Kindesalter angefangen werden und zwar durch ausreichend Bewegung, um in der Knochenaufbauphase ein solides Fundament zu legen. Grundsätzlich hilft die sogenannte Basistherapie zur Vorbeugung. Hierzu zählt viel Bewegung, also Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining, eine kalzium- und proteinreiche Kost sowie eine ausreichende Vitamin D-Zufuhr. Hinsichtlich Vitamin D ist zum Beispiel eine tägliche Zufuhr von 1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten (IE) sinnvoll, bei Kalzium sind es 1.000 bis 1.500 Milligramm pro Tag. All diese Aspekte begünstigen die Stärkung der Knochen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten sind empfehlenswert?

Auch hier ist die Basistherapie als erste Maßnahme zu erwähnen. Patienten in höherem Alter ist zu empfehlen, jede Woche regelmäßig zu trainieren, sodass es auf dem jeweiligen individuellen Leistungsniveau und dem Gesundheitszustand ausgerichtet ist. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz sogenannter Bisphosphonate. Das sind Präparate, die alle Formen von osteoporotischen Knochenbrüchen verhindern können. Auch zu erwähnen sind Knochenaufbaupräparate, die jedoch relativ teuer sind. Diese Behandlungsmöglichkeit wird in der Regel nur Personen mit einem sehr hohen Risiko, oder Personen, die eine Fraktur erlitten haben, empfohlen. In diesen Fällen werden die Präparate eingesetzt, um den Knochen aufzubauen und weitere Frakturen zu vermeiden.

Zur Person

Dr. med. Uwe de Jager ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie stellvertretender Landesvorsitzender des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) Baden. Osteologe DVO mit Schwerpunktzentrum Osteologie DVO.