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Sabbatical

Dem Berufsalltag entfliehen

Ob zur beruflichen Neuorientierung, zur Regeneration oder um mehr Zeit für Familie zu haben: Ein Sabbatjahr kann auf verschiedenste Weise genutzt werden. Das stereotype Bild vom längeren Südseeurlaub stimmt da meistens nicht.

Qualitätssicherung: Frank Möller

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Die Ursprünge des Wortes „Sabbatical“ liegen im Hebräischen: šabat bedeutet „innehalten“ oder „mit etwas aufhören“. In der Tora, der heiligen Schrift der Juden, erscheint der Begriff „Schabbatjahr“: Dieser bedeutete in Israel, dass sich ein Acker zur Erholung alle sechs Jahre erholen sollte. Übernommen wurde die Bezeichnung „Sabbatical“ dann von den US-amerikanischen Universitäten. Professoren werden für ein oder mehrere Semester von Lehrveranstaltungen freigestellt, um sich ganz ihren Projekten widmen zu können.

Diese Idee hielt in den Neunzigerjahren Einzug an den europäischen Unis, und bereits davor auch im außerakademischen Bereich. Im Zuge der Lehrerschwemme wurden schon in den Achtzigern in der damaligen BRD klare Regelungen eingeführt, die Beamten großzügig Auszeiten gewährten. Die Vorreiterrolle bei Sabbaticals nimmt in Deutschland daher der öffentliche Dienst ein. Dies weiß auch Sabbatical-Coach Frank Möller. Er hat das Portal Sabbatjahr.org ins Leben gerufen und berät Berufstätige bei der Planung ihrer Auszeit. „Die im Bund und in den Ländern unterschiedlichen Modelle zum Sabbatjahr im öffentlichen Dienst sind Vorbild bei der Gestaltung beruflicher Auszeiten in der freien Wirtschaft“, sagt Frank Möller.

Während eines Sabbaticals befindet man sich in der Regel weiterhin in einem Angestelltenverhältnis. Dieses wird lediglich pausiert. Die Auszeit wird zumeist für eine Dauer von drei bis zwölf Monaten genommen. Die Freistellung kann unbezahlt oder bezahlt erfolgen – je nach Situation. Zur Finanzierung existieren ganz unterschiedliche Modelle. „Für Angestellte in der freien Wirtschaft ist ein Jahr der Freistellung schwieriger zu realisieren als für Beamte, Lehrer und Angestellte im öffentlichen Dienst“, sagt Frank Möller. Denn hier existiert kein gesetzlich geregelter Anspruch auf eine Auszeit.

Raus aus dem Trott

Nicht zu verwechseln ist das Sabbatical mit dem „Gap Year“. Damit wird eine Auszeit bezeichnet, die zwischen zwei Lebensabschnitten genommen wird, zum Beispiel zwischen Schulabschluss und Studium, zwischen Bachelor und Master oder zwischen Studium und Berufseinstieg. Diese Möglichkeit wird von jungen Menschen häufig dafür genutzt, Erfahrungen in anderen Kulturen zu machen, häufig im Rahmen von Work & Travel oder Freiwilligendiensten.

Die Gründe für eine berufliche Auszeit sind extrem vielfältig. Sie drehen sich häufig um die Themen Regeneration, Neuorientierung, berufliche Weiterbildung, persönliche Projekte oder Familienaufgaben. „Die Weltreise findet sich zwar immer noch ganz vorne bei den Sabbatical-Nehmern, doch die Bandbreite an Motivationen ist wesentlich vielfältiger geworden“, berichtet Frank Möller aus seiner Erfahrung. Manche widmen ihre Auszeit auch Dingen wie einer Promotion oder der lang erträumten Verwirklichung eines privaten Projekts. Andere nutzen ihr Sabbatical zur Sinnfindung, um sich sozial zu engagieren, um eine Pilgerreise zu unternehmen oder um mehr Zeit für das Familienleben zu haben.

Nicht nur für den Arbeitnehmer bietet eine Auszeit viele Vorteile, auch der Arbeitgeber kann davon profitieren: Er verzichtet zwar eine Zeit lang auf wertvolle Arbeitsleistung, doch der Arbeitnehmer kann nach der Rückkehr ganz erholt frische Ideen in den Arbeitsalltag einbringen. Auch einer Kündigung seitens des Arbeitgebers oder einer Erkrankung an Burnout kann ein Sabbatical vorbeugen. Auf der anderen Seite ist es durchaus möglich, dass der Abstand zu einer Entfremdung vom eigenen Job führt und der Entschluss gefasst wird, sich neu zu orientieren.

Ein Jahr weg – und dann?

Die Auszeit kann in unterschiedlichen Lebenssituationen sehr sinnvoll sein, ihre langfristige Wirkkraft sollte zugleich aber nicht überschätzt werden. In einer Studie des Forschers Martin Rothland an der Universität Siegen wurden im Jahr 2013 bei 126 Lehrkräften untersucht, wie sich das Sabbatjahr auswirkte. Das Ergebnis lautete, dass sich die positiven Effekte der beruflichen Auszeit auf Gesundheit, Regeneration und Lebenszufriedenheit weitgehend auf die Freistellungsphase beschränkten. Danach glichen sich die Werte wieder dem Niveau vor der Berufsunterbrechung an.

Natürlich lässt sich ein längerer Ausstieg aus dem beruflichen Alltag nicht für jeden ohne Weiteres bewältigen, zumal nicht jeder Arbeitgeber entsprechende Optionen bietet. In einer Studie auf Sabbatjahr.org nannten alle 531 Befragten das Problem der finanziellen Absicherung als große Hürde. Gut die Hälfte der Befragten betrachteten zudem potenzielle Konflikte im Beruf als Hindernis. Dann wäre da noch die Sache mit der Lücke im Lebenslauf. Frank Möller meint: „Es kommt darauf an, die richtigen Formulierungen zu nutzen und ehrlich zu bleiben. Für die Karriere interessante erworbene Soft Skills, ein absolviertes Coaching, Praktika oder Sprachkenntnisse können im Lebenslauf natürlich besonders hervorgehoben werden.“

Zur Person

Frank Möller ist Sabbatical-Coach und berät Berufstätige auf ihrem Weg in die Auszeit.